Bücher der Woche

15.11.2020 - ​​Eine starke Dystopie und ein spannender Pageturner!

Nicht besonders lebensfreundlich ist diese Erde nach der Klimakrise: unerträglich heiß, ausgetrocknet, gleichzeitig überfallen Stürme, Überschwemmungen, Hurrikans das Land. Es gibt Versuche der Wiederherstellung, Bäume werden gepflanzt und Ideen entwickelt, wie man die Erde herunterkühlen kann, das Eisschild der Arktis wiederherstellen kann ...und natürlich gibt es die Wenigen, die sich auch in dieser Situation bereichern können und so die vereinzelten noch bewohnbaren Stücke Land des Planeten beanspruchen. Doch von all dem merken die meisten der inzwischen 10 Milliarden Menschen sowieso nicht viel, denn das Leben spielt sich in virtuellen Welten ab, der kurze tägliche Zwischenstopp in der Realität wird von vielen schon als Zumutung gesehen. Man liegt in einer Kapsel in einem Depot und reist in die Welten seiner Wahl, vom mittelalterlichen London zu den Dinosauriern, von der irischen Insel nach Venedig, von Vampirland in einen Dschungel. Es gibt alles und es fühlt sich fast echt an. Nur der Tod ist eine Illusion, man wacht in diesem Fall in seiner Kapsel auf und muss neu beginnen. So war es bisher jedenfalls. Doch Jana, Welten-Designerin bei Mastermind, muss entdecken, dass in einer und bald in mehreren ihrer Welten irgendetwas ganz und gar nicht stimmt, es gibt viel zu viele Ausfälle und zumindest eine Person davon ist auch in der realen Welt gestorben. Ein Unfall? Wieso möchte Mastermind sie dann nicht selber herausfinden lassen, was los ist? Als Jana sich trotzdem unerlaubt in ihre Welten aufmacht, muss sie feststellen, dass sie verfolgt wird, dass ihre Weltenauswahl immer weniger wird, und spätestens als ihr Kollege ihr die Botschaft „Der Tod ist keine Illusion“ zukommen lässt, weiß sie, dass sie in echter Lebensgefahr schwebt...

Ein spannender Pageturner, an dem man dranbleiben muss, sonst machen einen die vielen virtuellen Welten vor allem im ersten Drittel ganz kirre. Liest man die Geschichte aber in einem Schwung weg, wird man mit einer höchst aufregenden, aktuellen und hervorragend ausgearbeiteten Dystopie belohnt!

Ursula Poznanski: Cryptos. Loewe 2020, 19.95 €

08.11.2020 - Ein großartiges neues Kinderbuch von Anna Woltz

– was für ein Glück!

Manchmal glaubt man, dass man das Schicksal beeinflussen kann, weil man etwas dabei hat, Haifischzähne zum Beispiel, oder weil man etwas Großes vollbringt. Ist es verrückt, ist es Aberglaube, ist es Magie? Was immer es ist, wenn man einmal angefangen hat, daran zu glauben, muss man die Sache auf alle Fälle zuende bringen. Atlanta hat sich vorgenommen, in einem Tag und einer Nacht 360 Kilometer um das IJselmeer mit dem Fahrrad zu fahren, denn in 24 Stunden bekommt ihre Mutter das Ergebnis der Krebsuntersuchung. Gleich auf den ersten Metern trifft sie auf Finley, der auf der Flucht zu sein scheint, und obwohl das gar nicht in ihren Plan passt, merkt sie, wie viel besser es ist, zu zweit zu sein. Finley aber ist aus Wut und Enttäuschung über seine Mutter abgehauen, und ihre Glücksbringer-Haifischzähne hat er auch geklaut. Atlanta weiß, wie wichtig die sind, und so ändern sie schließlich ihre Pläne und machen alles anders als gedacht. Und so viel besser. 

Klingt kitschig? Vielleicht, wenn jemand anderes es geschrieben hätte, nicht bei Anna Woltz. Wie schon in ihren anderen Büchern trifft sie den Ton wunderbar, direkt, ohne je zu entblößen, offen, liebevoll, mit einem feinen Humor und großem Verständnis.

Anna Woltz: Haifischzähne. Carlsen Verlag 2020, 10.- €

01.11.2020 - Endlich wieder ein Rico-und-Oskar-Abenteuer:

ein wunderbares Lesegeschenk für lange Herbsttage!

Toll, wie sich hier ein komplexer Fall von Betrug in raffiniertem Ausmaß und ein altes Familiendrama rund um falsche Identitäten, Schuld und Verbitterung mit den höchst aktuellen und dringenden Problemen von Rico, Oskar und seiner Gang verbinden. Die wollen eigentlich nur eines: ihren Spielplatz retten, der von einer kaltherzigen alten Dame und ihrem schmierigen Großneffen verkauft werden soll. Doch dann streiten sich Rico und Oskar, was der Gang und den beiden selbst total falsch vorkommt, doch daran ändern können sie erstmal nichts. So gehen Rico und Oskar getrennte Wege – und daran, wie genial sie sich dabei trotzdem ergänzen und wie unausweichlich sie aufeinander zuarbeiten, kann man gleich erkennen, dass sie zusammengehören wie die Luft und das Atmen. Frau Dahling spielt eine tragende Rolle, und ihrer Vorliebe für schnulzig-dramatische Historien-Liebesgeschichten verdanken wir die wunderbare Form der Geschichte: Rico selbst schreibt die Abenteuer, die Oskar ohne ihn erlebt hat, im Stil der Dahling’schen Lektüre. Große klasse!

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Mistverständnis. Carlsen Verlag 2020, 16.- €

25.10.2020 - Große Literatur für kleine Leser*innen:

Großvater – fragt Gottfried leicht verunsichert ob seiner großen Lüge – manchmal kann es doch auch gut sein, wenn man lügt? Und der Großvater antwortet: Ja. Manchmal ist Lügen wohl die einzige Möglichkeit, richtig aufrichtig zu sein

Das zu verstehen, ist eine Zumutung für die 8, 9 oder 10-jährigen Leser*innen – eine großartige Zumutung, wie die ganze Geschichte, samt der alles andere als lieblichen oder milden Illustrationen der Belgierin Kitty Crowther. Denn Gottfried lügt nicht nur seine Eltern an, um mit dem Großvater auszureißen, und das fällt ihm beängstigend leicht. Er erfährt auch, dass Erwachsene die Wahrheit manchmal gar nicht hören wollen und lieber die Lüge glauben. Und er bereut am Ende auch nicht etwa sein unerlaubtes Handeln. Gottfried hadert zwar mit der Lüge und grübelt, ob das Ausreißen mit dem Opa vielleicht zu gefährlich oder einfach falsch war. Doch er kommt zu dem Ergebnis, dass er das Richtige getan hat. Denn der so unausstehliche alte Mann, der im Krankenhaus alle tyrannisiert, kommt auf dieser Abschiedsreise zur Ruhe und findet seinen Frieden. Mit Gottfrieds Hilfe. Und dessen großer Lüge. Was Kinder daraus lernen? Empathie, Verständnis, kritisches Denken, Urteilsfindung – was man in großer Literatur eben lernen kann. 

Ulf Stark: Die Ausreißer. Urachhaus 2020, 16.- €

18.10.2020 - Eine Perle des Duos Rautenberg/Budde, die sich gegenseitig zur Höchstform bringen!

Wenn man möchte, dass Kinder Gedichte genießen und etwas mit ihnen anfangen können, sollte man versuchen, den Zugang dazu so früh und so selbstverständlich wie möglich zu gestalten. In fast jeder meiner Büchervorstellungen findet sich daher ein Gedichtband für Kinder. Diesmal ist es eine Perle von dem großartigen Duo Rautenberg/Budde, die schon mit ihrem Skelett unterm Bett eine preisgekrönte Gedichtsammlung vorgelegt haben. Eine solche gegenseitige Bereicherung findet man nicht alle Tage: Die Bilder kitzeln aus den lustigen Gedichten den Witz erst richtig hervor und fügen wo es passt mit ihren herrlich schrägen Figuren einen Hauch nötiger Abgründigkeit hinzu. Klasse!

Arne Rautenberg/Nadia Budde: Kuddelmuddel, Remmidemmi, Schnickschnack. Peter Hammer Verlag 2020, 14.- €

11.10.2020 - Das Buch der Stunde?

Trägt dieses Buch zu einer fruchtbaren Diskussion über unsere freiheitliche Gesellschaft und ihre Grenzen bei oder ist es nur ein spannender Roman, der auf der Pandemiewelle reitet? Ist es das Buch der Stunde oder fördert es im Gegenteil womöglich den Glauben an Verschwörungstheorien?

Schwer zu sagen. Klar ist, dass Schäuble seine Dystopie mit heißer Feder so richtig schön nah aus unserer Gegenwart mit der Corona-Pandemie 2020 heraus weiterentwickelt hat. Klar ist auch schnell, dass es ihm um die Story geht, nicht um die Personen und ihre Geschichten. Die Mutter und Oma stehen für eine Art zu leben und zu denken, bekommen aber keine Tiefe, der junge Cleaner (Menschen, die nachts die Häuser desinfizieren) Toko bleibt blass und schablonenhaft. Doch was ist die Story? Die „große Pandemie“ hat etwa 10 Jahre später in einen totalen Gesundheits-Überwachungs-Staat geführt, dessen Mantra lautet: Gesundheit ist wichtiger als Freiheit. Entsprechend wird die Bevölkerung – zu ihrem eigenen Schutz, versteht sich – dauernd kontrolliert, der Gesundheitszustand überwacht und gegebenenfalls durch Schutzmaßnahmen wie Quarantänepflicht sichergestellt. Dass dabei auch alle anderen Daten mit erhoben und kontrolliert werden, schadet ja nichts, solange man sich nichts vorzuwerfen hat, oder? Das denkt die 15jährige Schilo anfangs, doch schon bald hinterfragt sie die Gründe und Grenzen der Verbote und Gesetze. Ist es ok, dass sie die Nachtpille nehmen muss? (Die Nachtpille heißt übrigens beschönigend „Nachtheiler“ - und sowieso sind die Namen für die Produkte und Institutionen ziemlich klasse ausgedacht: Schule ist Home learning – mehr Abstand ist schlauer, der Controller am Handgelenk wird beworben mit Controller – damit jeder weiß, dass es dir gut geht und die einzige erlaubte Kontaktperson wird registriert bei social health – zu viel macht krank.) Lebt ihre Oma wirklich aus eigener freier Entscheidung zu ihrem eigenen Schutz in dem „Raum der Einsicht“ hinter Glas? Und kann man das auch einem 8-jährigen Jungen zumuten, wie es dem kleinen Bruder von Samira, Schilos bester und einziger Freundin, passiert? Als Schilo beginnt, ihre Nachtpillen zu entsorgen, um verbotenerweise den Cleaner Toko kennenzulernen, öffnen sich plötzlich andere Welten und Wege für sie. Und dann wird Samira weggesperrt und Schilo muss sich entscheiden, welchen Weg sie gehen will.

Schäuble weiß Effekte zu setzen, kennt sich aus mit Cliffhangern und Spannungsbögen, so dass die Lektüre nie langweilig wird. Dabei wäre das gar nicht immer so wichtig gewesen, denn die Brisanz des hochaktuellen Themas selbst fasziniert ungemein. Man kommt gar nicht umhin zu vergleichen, zu beobachten, zu entdecken: Welche Zustände, von denen in der Dystopie berichtet wird, herrschen tatsächlich bereits im Pandemiejahr 2020 bei uns? Welche Maßnahmen im Roman sind konsequente Weiterführungen der jetzigen realen? Was ist reine Phantasie? So entwickelt sich im besten Fall vor dem Entwurf der Dystopie ein kritisches Bewusstsein für das Hier und Jetzt. Oder aber man tappt in die Falle: Ohne dieses kritische Bewusstsein bei der Lektüre, ohne Lust am Selberdenken oder Möglichkeiten für Gespräche über das Buch kann es auch als Bestätigung schräger Verschwörungstheorien (à la wir-werden-jetzt-alle-zwangsgeimpft-und-dabei-zur-besseren-Überwachung-gleich-gechipt) verstanden werden. Immerhin sind die angesprochenen Leser*innen erst um die 14 Jahr alt. Das Buch der Stunde also? Vielleicht - wenn der Zusammenhang, die Einbettung und der Hintergrund stimmen.

Martin Schäuble: Cleanland. Fischer Verlag 2020, 14.- €

04.10.2020 - Und nochmal zwei Comics, diesmal für etwas ältere Comic-Fans:

Begonnen haben Esthers Tagebücher als sie zehn Jahre alt war, jetzt ist der vierte Band erschienen, in dem sie ihr Leben als 13-Jährige schildert, wie schon zuvor mit viel Humor, total lebensnah und unzensiert. Es hat sich einiges geändert in ihrem Leben, angefangen hat es mit einer Zahnspange. Esther  beobachtet genau, wie sich ihre Freundinnen verändern, aber auch an sich selbst stellt sie nicht nur neuerdings komische Hände und leider hin und wieder Pickel fest, sie bemerkt auch große Stimmungsschwankungen und hat ungewöhnliche Gedanken und Träume. Geblieben ist die Erkenntnis, dass Jungs total bescheuert sind, die meisten rüpelhaft und dumm (allen voran ihr eigener Bruder) – obwohl manche echt gut aussehen können...

Lustig, liebevoll und sehr authentisch!

Riad Sattouff: Esthers Tagebücher. Mein Leben als Dreizehnjährige. Reprodukt 2020, 20.- €

 

 

In der Traditioin der Ligne claire von Hergé (Tim & Struppi) zeichnet Max De Radiguès seinen leicht unheimlichen Comic über die Zwillinge Stig und Tilde. Die beiden müssen nach alter Tradition im Alter von 14 Jahren einen Monat ohne Erwachsene auf einer Insel verbringen, auf der allerdings auch alle anderen 14-Jährigen sind, sowie Hütten, Lebensmittel und sogar Internet. Ein ganz so dramatisches Abenteuer, wie ihre Mutter es Ihnen weismachen will, wird es also doch nicht. Dachten die beiden – bis sie im Gewitter den Kurs verlieren und vor einer ganz anderen Insel auf Grund laufen. Die wiederum tatsächlich unbewohnt zu sein scheint – oder doch nicht? Es wird spannend, als Tilde aus Holz geschnitzte Köpfe entdeckt und ahnt, dass sie nicht alleine sind...

Max de Radiguès: Stig &Tilde : Die Insel der Verschollenen. Reprodukt 2020, 15.- €

27.09.2020 - Das Buch der Woche ist diesmal ein VERLAG der Woche!

Es gibt gut Nachrichten, liebe Comic-Freunde und -Freundinnen! Mit viel Mut, dem richtigen Gespür und ein paar der wohl besten deutschsprachigen (Comic-)Zeichner*innen, die man gerade finden kann, hat sich der kleine Berliner Kibitz-Verlag vor ein paar Monaten mit einem feinen Programm von 5 Titeln auf den Buchmarkt gewagt: Herzlichen Glückwunsch! Wir haben natürlich gleich alle gelesen und sind überzeugt - nicht nur von der Idee eines Verlages für KinderComics, sondern auch von dem ersten Programm.

 

Martin Baltscheit und Anne Becker haben zusammen eine tolle Geschichte erzählt und gezeichnet zu einem Thema, das wohl fast jede*r kennt: Wie oft trifft man Hunde und ist ein bisschen unsicher oder ängstlich und schon kommt der typische Hundebesitzer-Spruch: Mensch, der will doch nur spielen/der hat doch mehr Angst vor dir als du vor ihm. Genau das probiert Selma jetzt mal aus, was der Hund wirklich will, denkt und erlebt. Sie tauscht mit einem Pudel und lebt 24 Stunden ein Hundeleben, während der Pudel in ihrem Körper die Grill-Würstchen seines Lebens essen darf. Ganz schön aufschlussreich und erhellend, was Selma da erfährt. Ein klasse Comic für Hundefans und -fürchter ab 6 Jahren. 

Baltscheit & Becker: Selma tauscht Sachen. Ein Hundeleben. Kibitz Verlag 2020, 15.- €

 

Mattis spielt eindeutig lieber Theater als er Mathe übt. Doch die Mathearbeit steht vor der Tür und Mattis kann den Stoff noch nicht. Da muss ein Zauber her! Zum Glück hilft Kiste gerne und gibt Mattis ein paar Tropfen des Mathezaubers von Zauberer Bartelstrunk, das wird bestimmt helfen. Und wie das hilft! Mattis rechnet wie ein Genie, überhaupt spricht er nur noch in Zahlen und Rechenaufgaben – er kann gar nicht mehr anders! Au weia! Ob das zu viele Tropfen waren? Was wird jetzt aus dem Theaterstück, die Aufführung steht bevor?! Zum Glück ist tiefer Winter voller Schnee und Eis, und da geht so einiges auch ohne echten Zauber...

Wieder eine super Geschichte in einem großartig gezeichneten Comic!

Patrick Wirbeleit & Uwe Heidschötter: Kiste Band 5: Mathemagie. Kibitz Verlag 2020, 15.- € (ab 7 Jahren)

 

Eine psychologisch überzeugende und spannende Detektivgeschichte mit verblüffendem Ende erzählt und zeichnet Tanja Esch in ihrem sehr eigenen Stil, an den man sich gewöhnen muss, um ihn und seine Schlichtheit und scheinbare Naivität dann um so mehr zu schätzen. Doch auch die Geschichte überzeugt, zeigt sie doch, wie Gerüchte, Vorurteile und Misstrauen entstehen können und zugleich, wie entwaffnend man darauf reagieren kann.

Die Detektivbande um Ulf und seine Freunde haben die Neue, Uli, auf dem Kieker. Irgendwas stimmt mit ihr und ihrer Familie nicht, da muss geforscht, beschattet und spioniert werden, ganz klar. Ulf ist das nicht so klar, er findet Uli eigentlich ganz nett, aber nicht mitmachen geht auch nicht. Und dann gibt es plötzlich wirklich seltsame Vorkommnisse und alles deutet darauf hin, dass die Familie etwas mit Außerirdischen zu tun hat...wie aufregend!

Tanja Esch: Ulf und das Rätsel um die Neue. Kibitz Verlag 2020, 15.- € (ab 8 Jahren)

 

In Haus Nr 8 – Eine farblose Familie erzählt Patrick Wirbeleit eine schräge Fantasy-Geschichte, die von Sascha Wüstefeld wild und überbordend gezeichnet wird. 

Als Tim in dem neuen Haus, in das er und seine Eltern (schon wieder!) umziehen mussten, einen seltsamen Stöpsel im Keller zieht, fließt plötzlich alle Farbe aus dem Leben der Familie (was im Comic natürlich hervorragend gezeigt werden kann!). Seltsamerweise sind die Eltern eher resigniert als panisch oder verängstigt und unternehmen auch nichts dagegen. Tim allerdings versucht, auf eigene Faust herauszufinden, was es damit auf sich hat, und entdeckt allerlei unglaubliche Geheimnisse, die dieses Haus birgt.

 

Meinen Geschmack treffen die prallen, vollen Zeichnungen, die diesmal nicht matt wie in den anderen Comics, sondern glänzend daherkommen, nicht so, aber bestimmt findet auch diese phantasievolle Geschichte ihre Fans. Und so viele Andeutungen, wie über die Mutter (eine Hexe!) und das Haus gemacht werden, folgen sicher noch weitere Bände!

Patrick Wirbeleit/Sascha Wüstefeld: Haus Nr 8 – Eine farblose Familie. Kibitz Verlag 2020, 15.-. € (ab 8 Jahren)

 

So wenig Worte, so ausdrucksvolle und saukomische Typen, so eine witzige Mini-Geschichte – eigentlich muss dieses Büchlein auf absolut jedem Geburtstagstisch liegen!

Anke Kuhl: Geniale Geschenke. Kibitz Verlag 2020, 10.- €

20.09.2020 - Die Geschichte und die Illustrationen sind herrlich 

unkonventionell und eigenwillig!

Auch wenn ihr Lieblingsonkel Tommy nicht so gut Fußball spielen kann wie Luzie Libero, liebt sie es doch, mit ihm die Tage zu verbringen. Bis Günther plötzlich in Tommys Küche sitzt, sich wie zuhause zu fühlen scheint und bei all ihren Ausflügen dabei ist. Was soll das denn, was denkt sich Onkel Tommy denn dabei? Luzie ist sauer und würde fast am liebsten für immer und ewig im Bett liegen bleiben und sich langweilen. Aber das ist dann doch zu langweilig. Und als Tommy sich dann eines Tages nicht wohl fühlt und sie bittet, mit Günther zu spielen, entdeckt Luzie etwas an Günther, das Tommy nicht bieten kann...

Wer die Franziska-Bücher von Pija Lindenbaum mag, wird auch Luzie lieben: frech, unkonventionell, liebenswert und eigenwillig – genau wie die Geschichte und die Illustrationen dazu. Toll!

Pija Lindenbaum: Luzie Libero. Beltz Verlag 2020, 13.95 €

13.09.2020 - Ein Highlight unter den Erstlesegeschichten, endlich auch für kleine Leser*innen ansprechend gestaltet!

Zum Vorlesen gibt es die Ella-Geschichten auf Deutsch schon bald 15 Jahre – ein Geheimtipp sind sie also nicht mehr, eher schon Kultbücher, die auf dem Weg zum Klassiker sind. Zu Recht. Daher ist die Idee des Hanser Verlages nur zu begrüßen, aus einem kleinen Vorlesebuch drei schön gemachte, mit vielen wunderbaren und jetzt bunten Illustrationen von Sabine Wilharm ausgestattete Erstlese-Bücher zu machen. Endlich sind die Geschichten ansprechend und adäquat für genau die kleinen Leser*innen, die im Alter der Hauptpersonen sind. Sie bleiben dabei natürlich weiterhin auf vielen Ebenen hochkomisch und sprechen so auch die großen Geschwister und die vorlesenden Erwachsenen an - egal, ob man sich an den verrückten Abenteuern erfreut, über den Slapstick lacht oder den subtil-trockenen Humor schätzt. Und Ellas umwerfende, verblüffende und unverwechselbare Logik überzeugt auch immer wieder. So zum Beispiel im ersten Band, in dem Ella und ihrer Freunde fürchten, der Lehrer wird erpresst, was ja bekanntlich immer bedeutet, dass man gezwungen wird, einen Koffer voll Geld zu übergeben. „Warum sollte der Lehrer Geld in den Park bringen?“, wunderte sich Pekka. „Weil jemand sein Kind entführt hat“, sagte Timo. „Unser Lehrer hat überhaupt kein Kind“, behauptete Hanna. „Dann hat eben jemand seine Frau entführt“, schlug Timo vor. „Er ist auch nicht verheiratet“, sagte Hanna. Jetzt fanden wir es alle recht seltsam, dass unser Lehrer um Mitternacht Geld in den Park bringen wollte.

Für ganz frische Leseanfänger mit Unterstützung, ab 2./3. Klasse auch alleine zu schaffen – und wärmstens zu empfehlen!

Timo Parvela: Ella in der Schule Band 1: Abenteuer Schulanfang. Hanser Verlag 2020, 10.- €

Timo Parvela: Ella in der Schule Band 2: Was für ein Schultheater! Hanser Verlag 2020, 10.- €

Timo Parvela: Ella in der Schule Band 3: Eine turbulente Klassenfahrt. Hanser Verlag 2020, 10.- €

06.09.2020 - Tamara Bach schreibt so echt, als wäre sie gerade noch selber in der zehnten Klasse und auf Kassenfahrt gewesen - bis zum unerwarteten Ende...

Das Schulhofgespräch, mit dem das Buch beginnt (und endet) ist schon richtig gut getroffen: der Ton der Schüler*innen, die Neugier in Verbindung mit Coolness, das Halbwissen, die Gerüchte, die Sensationslust, das Abschweifen – toll. Da wird man gleich neugierig, was denn nun wirklich auf der Klassenfahrt der 10b passiert ist, ob es wirklich einen Elternabend gibt und Strafen, Schulverweise oder sogar schlimmeres  – aber vor allem auch, ob es Tamara Bach gelingt, so auf Augenhöhe weiter zu erzählen. Das Format gibt es her, denn der Rest der Geschichte wird in Protokollen berichtet, die die Schüler*innen selbst anfertigen. Ziemlich schnell wird den ersten Protokollant*innen klar, dass die Texte nie ihrem Klassenlehrer ausgehändigt werden dürfen. Und im Laufe der Geschichte versteht man auch, warum: Dieser Herr Doktor Utz ist nicht nur streng, sondern auch ungerecht, ohne Verständnis oder gar Mitgefühl für seine Schüler*innen, völlig „alte Schule“, seine Pädagogik besteht aus Strafen und Sanktionen. Die Klasse lässt das alles erstaunlich gelassen über sich ergehen (zum Glück gibt es die nette Begleit-Lehrerin Frau Kaiser), kein erwähnenswertes Aufbegehren, im Gegenteil, die 28 Schüler*innen zeigen Solidarität und Gemeinsinn, je blöder die Strafen, desto größer das Gemeinschaftsgefühl. Die Referate werden klaglos bei 40 Grad und ohne Mittagspause gehalten, Lob gibt es dafür nie, ebenso lässt man die Tiraden des Lehrers über dieses und jenes über sich ergehen. Und dann ist da noch der Busfahrer, Herr Keller, Bestimmer nicht nur über die Musikanlage in seinem Bus-Universum. Über den machen sich die Schüler*innen Gedanken: Was treibt er den ganzen Tag, wenn er sie nicht gerade herumfährt? Wenn er irgendwo wieder warten muss? Wie sich herausstellt, hat dieser Busfahrer vielleicht ein dickes Fell nach all den Jahren und Klassenfahrten. Aber alles hat seine Grenzen...

Es gelingt Tamara Bach, die Spannung, die nach den Andeutungen im „Prolog“ aufgebaut wird, zu halten, eine Erwartung liegt in der Luft und man ahnt nichts Gutes. Sie schafft es auch, mit der Auflösung schließlich zu überraschen: Es passiert etwas völlig anderes, als man (ich jedenfalls) erwartete. Genau diese Auflösung ist dann aber auch der Schwachpunkt. Was die allzu gelassen ertragenden, manchmal altklug-weisen und auf jeden Fall unrealistisch solidarischen 28 Schüler*innen in den letzten 24 Stunden der Klassenfahrt gemeinsam mit dem Busfahrer, der nebenbei ein klassisches Klischee erfüllt, erleben, ist so utopisch, dass es kitschig wird.

Tamara Bach: Sankt Irgendwas. Carlsen Verlag 2020, 13.- €

30.08.2020 - Manchmal muss man einfach den Mut haben, Dinge selbst in die Hand zu nehmen:

Wer je erlebt hat, der oder die einzige zu sein, die nicht auf ein Fest, eine Geburtstagsparty oder einen Ausflug mit eingeladen wurde, wer beobachtet hat, wie alle anderen planen, sich freuen und verabreden, dem spricht dieses Buch aus der Seele. 

Der Frosch ist verwirrt, traurig, einsam. Wieso hat der Igel alle anderen Tiere zu seiner Kostümparty eingeladen und nur ihn nicht? Lange wartet er noch auf eine Einladung, doch die kommt nicht. Da wird er wütend – und hat eine Idee: Er geht einfach trotzdem hin und verkleidet sich so gut, dass es keiner merkt!

Warum der Frosch keine Einladung erhalten hat, ob der Igel am Ende lieber Tiere mit Pelz mag, rotgrünblind ist oder vielleicht sein Stift angebrochen ist – wir werden es nicht erfahren. Aber beglückend ist dieses wunderschön illustrierte Buch nicht zuletzt auch genau deshalb.

Nele Brönner: Frosch will auch. Tulipan Verlag 2020, 15.- €

23.08.2020 - Sachbuch-Comics gibt es inzwischen viele – Reeves ist da fast schon einer der Pioniere. Sein jüngster Comic ist in der Reihe der spannendste:

Nachdem Hubert Reeves uns schon den Wald und die Artenvielfalt erklärt hat, folgt jetzt als letzter Band in dieser Reihe der Ozean. Dieser Band ist von den dreien der beste, voller interessanter Informationen, klar und einfach erklärt, und wie immer in die Form einer Reise-Geschichte gepackt. Hier reisen Helene und Mohammed mit Reeves und einer Lehrerin ans Meer, erfahren einiges über Ebbe und Flut und die Schwankungen des Meeresspiegels über Millionen von Jahren hinweg. Dann geht es aufs Meer hinaus und sogar in einem Tauchboot hinab in die Tiefe. Die Kinder fragen viel und Reeves ist ein geduldiger und guter Erläuterer, der auch komplexe Zusammenhänge durchschaubar machen kann. Eine spannende Lektüre über ein faszinierendes Thema, durch die Comic-Form ansprechend und leicht lesbar.

Casanave/Reeves/Vandermeulen: Hubert Reeves erklärt uns den Ozean. Jacoby & Stuart 2020, 18.- €

16.08.2020 - Dass der Junge, den die Protagonistin liebt, sich umbringen wird, weiß man von Anfang an. Aber wie geht Therese damit um?

Ui, denkt man, Spoiler! Wie kann man auf dem Covertext schon verraten, dass der Junge, den die Protagonistin liebt, sich umbringt? Und tatsächlich hat man bereits fast die Hälfte des Buches gelesen, bis es passiert. Aber dann merkt man: Es geht gar nicht um Wally. Dieser Junge, der sich umbringt, bleibt seltsam blass und neblig. In Wirklichkeit geht es um Therese. Und auch von ihr – das erkennt man langsam – hat man auf den ersten 100 Seiten wenig erfahren. Ja, sie hat viele Namen, wird Tiger, Resey, Champ genannt, und ebenso viele Facetten. Aber wer ist sie wirklich? Erst mit ihrer Reaktion auf Wallys Selbstmord, erst, als wir miterleben, wie sie damit versucht umzugehen und was mit ihr passiert, erst da lernen wir sie kennen: Das Mädchen, das von Mutter und Vater verlassen wurde und bei der Tante aufwächst, das jetzt auch von dem Jungen, den es liebt, verlassen wurde, aber mit all dem super klar kommt, das Mädchen, das golden ist und alles hinkriegt. Mit keinem reden muss, keine Hilfe braucht, niemandem leidtun muss. Ist sie das wirklich? Psychologisch dicht und überzeugend!

Kate Gordon: Girl running, boy falling. Carlsen 2020, 16.- €

09.08.2020 - Komik und Tragik, Witz und Ernsthaftigkeit, Leben und Tod

haben hier ihren Platz:

Seit fast zwei Jahren geht das Leben an Paula vorbei, seit dem Tod ihres kleinen Bruders Tim steckt sie tief in einer Schwermut, die ihr die Lebensfreude nimmt, ihr Studium ruht. Jetzt endlich hat sie es geschafft, sich aufzuraffen und endlich wenigstens einmal Tims Grab zu besuchen. Um keinem Menschen zu begegnen, geht sie mitten in der Nacht – und trifft prompt auf einen Grabschänder. Oder was macht der mindestens 80 Jahre alte Mann mit seinem Spaten sonst am Grab einer gewissen Helga? Tatsächlich versucht der Mann – Helmut -, Helgas Urne zu stehlen, um ein letztes Versprechen zu halten und sie an den ihr zugedachten Ort zu bringen. Das erfährt Paula, nachdem sie ihm geholfen hat und die beiden dann vor den Friedhofsgärtnern fliehen mussten. Und dies ist erst der Anfang ihres gemeinsamen Abenteuers. Paula, die keinen Plan und nichts zu verlieren hat, beschließt spontan, Helmut in seinem alten Wohnmobil in die Alpen zu begleiten – eine irre Fahrt von zwei auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Menschen, die jedoch einiges gemeinsam haben. Helmut hält sein Versprechen und Paula findet auf der Reise mit Helmuts Hilfe ihren Weg zurück ins Leben – wobei da auch ein Hund und ein Huhn einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten.

Es gibt einige Geschichten über Roadtrips mit generationsübergreifenden Held*innen-Teams, die sich erst spinnefeind sind, dann aber das Abenteuer ihres Lebens meistern, nicht selten spielt der Tod dabei eine tragende Rolle. Dieses Buch  sticht heraus: Es ist oft richtig witzig und kommt dabei weitgehend ohne den typischen (sehr amerikanischen) selbstironischen Ton mit seinen unrealistisch-genialen Gedanken und Dialogen der Protagonist*innen aus. Das Thema ist traurig, ja tragisch, und der Text ist eben nicht nur komisch, sondern auch ernsthaft, er traut sich auch an die großen Gefühle – und diese Mischung macht es.

Jasmin Schreiber: Marianengraben. Eichborn Verlag 2020, 20.- €

02.08.2020 - Gerade wieder stand es in den Zeitungen: Einige Landwirte bestäuben ihre Pflanzen bereits künstlich, z.B. mit Drohnen. Denn: Auch die Wildbienen werden immer weniger. Gut, dass es Bücher wie dieses gibt, die mit Spannung und tollen Held*innen wichtige Themen aufgreifen! 

Endlich ein rundum gelungenes Buch mit dem wichtigen Thema Insektensterben, das NICHT mit einem Zuviel an Faktenwissen den Roman zum Sachbuch macht, NICHT vor lauter missionarischem Eifer das Erzählen vergisst und auch NICHT vor Schuldzuweisungen und Panikmache die Story links liegen lässt und schließlich auch NICHT mit erhobenem pädagogischen Zeigefinger zu eigenem Handeln aufruft (obwohl man dazu am Ende tatsächlich Lust hat – aber das ist ja etwas ganz anderes!). Sondern: eine spannende Geschichte mit überzeugenden Held*innen und ebenso lebendigen Nebenfiguren, einer flotten Handlung, die von überraschenden Wendungen und originellen Ideen vorangetrieben wird und bis zum dramatischen Finale fesselt.

Erzählt wird abwechselnd von Hugo, 13, und Merle, 12 Jahre alt, die sich eigentlich nicht kennenlernen können, leben sie doch in völlig verschiedenen Welten. Hugo trauert um seinen vor Kurzem verstorbenen Opa und nun auch um den wunderschönen Garten, den der Opa hinterlassen hat, den die Mutter aber gerade verkaufen musste. In diesem Garten hält Hugo ein Bienenvolk, das er mit dem Verkauf des Gartens wird aufgeben müssen. Merle wiederum ist die Tochter des Bauunternehmers, der den Garten gekauft hat. Sie hat eine schwere Pollen- und Bienenallergie. Und doch ist genau sie es, die von einer von Hugos Bienen „angesprochen“ und zu Hugo geführt wird...

Esther Kuhn: SOS Mission Bienenstaub. Magellan Verlag 2020, 15.- €

26.07.2020 - Ein wichtiges Buch nicht nur für Leser*innen ab 11 Jahren!

Frank ist zehn, ein ziemlich guter Fußballspieler, hat zwei richtig gute Freunde, interessiert sich für die Geheimnisse des Weltalls und liebt Geheimcodes. Vor allem aber ist er Bruder. Bruder von Max, fünf Jahre alt, ein Kind mit vielen speziellen Bedürfnissen. Max ist Autist, er spricht nicht, aber schreit viel. Immer dann, wenn ihm alles zu viel wird, und das ist oft: Wenn ihn jemand berührt, wenn etwas nicht so ist wie gewohnt, oder einfach nur, weil es laut ist. Eigentlich ist Frank ein klasse großer Bruder und echter Max-Experte, aber als dieser in eine neue Schule kommt und Mum neuerdings ständig müde ist, wächst in ihm Wut und Verzweiflung. Und dann passiert plötzlich etwas, das Franks Universum auseinanderbrechen lässt…. 

Katya Balen erzählt aus der Perspektive Franks: Wie es ist, wenn die eigenen Wünsche und Bedürfnisse stets an zweiter Stelle stehen müssen, oder wie es sich anfühlt, wenn fremde Leute den schreienden Bruder anstarren oder Mitschüler sich über ihn lustig machen. Wenn er sich für seinen Bruder schämt und daran fast zerbricht. Beeindruckend, wie Balen immer die richtigen, die einfachen Worte und Bilder findet, um Franks Dilemma mitfühlen zu lassen. Dass Frank, der Code-Knacker, trotzdem nicht aufgibt und nach Lösungen sucht, können Leser spielerisch nachvollziehen: Alle Kapitelüberschriften sind nämlich in Zahlencodes geschrieben! 

Kein lustiges Buch, aber ein großartiges, wichtiges Buch nicht nur für Kinder ab etwa 11 Jahren, sondern (wie so viele großartige Kinder- und Jugendbücher) unbedingt auch für Erwachsene! Ein Buch, das tief berührt, aber auch tröstet, das erklärt und verständlich macht ganz ohne pädagogischen Zeigefinger. (Ute Bakus)

Katya Balen: Mein Bruder und ich und das ganze Universum. Carlsen Verlag 2019, 13.- €

19.07.2020 - Vieles scheint unmöglich zu sein- bis jemand kommt und es macht. Diese Überzeugung der fast 12-jährigen Ruby wird auf eine harte Probe gestellt.

Wieder muss Ruby, die sich Red nennt, in eine neue Pflegefamilie wechseln. Sie kennt das, sie ist jetzt fast 12 Jahre alt und erlebt diese Wechsel seit Jahren, und so weiß sie, dass sie sich wappnen muss für eine neue Enttäuschung, dass sie keine Hoffnung aufkommen lassen darf. Es sind nur noch etwas mehr als 365 Tage, ein gutes Jahr, bis sie zurück zu ihrer Mutter darf. Dann kommt diese aus dem Gefängnis und wenn alles gutgeht, sie nicht wieder zu Tabletten greift und sich verantwortungsvoll benimmt, darf Red bei ihr leben und hat endlich wieder eine echte Familie. Auch wenn diese neuen Pflegeeltern wirklich nett sind, anders als die anderen, ehrlich, aufrichtig und liebevoll. Und es gibt viele Tiere: Hunde, Ziegen und eine Riesenschildkröte, die Red sofort ans Herz wächst. Dann ist ihre Mutter plötzlich wirklich raus aus dem Gefängnis und gleichzeitig passiert in ihrer neuen Pflegefamilie etwas, das Red zutiefst verstört und verängstigt. Jetzt braucht sie ihre Mutter dringend – oder?

Eine ernste und wichtige Geschichte, ausschweifend erzählt mit einer Prise Magie und vielen großen Gefühlen. 

Lindsey Lackey: Das Mädchen, das den Sturm ruft. Dressler 2020, 18.- €

12.07.2020 - Tolle Einführung in das Krimi-Genre für Zweit- und Drittklässler:

Zur Abwechslung mal ein Krimi in einem ganz anderen Setting: in einem afrikanischen Safari-Park. Dort lebt Emma, deren Mutter ein Hotel mitten im Safari- Park führt, und Thabos Onkel kümmert sich um die Tiere im Park und macht Park-Touren für Touristen, bei denen Emma und Thabo oft helfen. Als die beiden diesmal in der Gruppe auf einen Herrn treffen, der sein Handy vermisst, stellt Thabo schnell die Verbindung her zu der Diebesbande, von der er zuvor gehört hat. Ob er auf der richtigen Spur ist?

Kirsten Boie: Thabo und Emma: Diebe im Safari-Park. Oetinger Verlag 2019, 8.- €

Im Hotel Lion Lodge von Emmas Mutter gab es offensichtlich einen Diebstahl! Mr Brown behauptet, dass Paki, der Schuhputz-Boy, ihm die Brieftasche geklaut hat. Denn wie sonst könnte er sie in der Hand halten? Und dazu noch ist das gesamte Geld weg! Thabo und Emma sind sich sicher, dass Paki die Wahrheit sagt: Er war das nicht! Aber wer dann? Vielleicht Sipho Joyful, der im Park den Rasen mäht – und der gerne schon morgens zu tief ins Glas schaut?

Kirsten Boie: Thabo und Emma: Ein böser Verdacht. Oetinger Verlag 2020, 8.- €

05.07.2020 - Die Idee der verkehrten Welt ist nicht neu, aber immer wieder lustig: Tures Abenteuer als ehrlicher Junge in einer Ganovenfamilie

Papa Ede, Mama Fia, Ture und seine kleine Schwester Ella könnten eine ganz normale Familie sein – aber normal ist bei ihnen fast nichts. Denn klauen, stehlen, rauben und lügen ist bei ihnen an der Tagesordnung. Der einzige, der nicht mitmachen will, ist Ture. Er kann ganz einfach nicht lügen, davon bekommt er sofort schreckliche Bauschmerzen. Und so ist der Nachbar Paul Eisig – seines Zeichens Polizist – immer auf dem neuesten Stand, was die Pläne der Familie von Stibitz angeht. Dafür - und weil Ture so nett und ehrlich ist - will Paul Eisig ihm auch etwas ganz Besonderes zum Geburtstag schenken. Dass das ausgerechnet der Riesenlolli ist, den auch Familie von Stibitz Ture schenken wollte, kann er ja nicht wissen, oder?

Anders Sparring/Per Gustavsson: Familie von Stibitz. Der Riesenlolli-Raub. Hanser Verlag 2020, 10.- €

 

Wieder ist Paul Eisig dank Ture auf dem Laufenden und weiß: Die Eltern von Stibitz haben offensichtlich vor, den großen Gold-Diamanten zu klauen. Also macht er sich auf den Weg zur Diamantenausstellung – aber nicht nur er. Ture und Ella sind inzwischen zur Großmutter ins Gefängnis gegangen, weil sie so ganz ohne Erwachsene doch nicht zu Hause bleiben wollten. Und als die von der Diamantensache hört, ist sie gemeinsam mit ihrer Freundin Schummel-Lisa gleich Feuer und Flamme. Wer wohl zuerst da ist und den Diamanten klaut (oder beschützt)?

Anders Sparring/Per Gustavsson: Familie von Stibitz. Die Ganoven-Omi. Hanser Verlag 2020, 10.- €

28.06.2020 - Woher soll man wissen, was wahr ist?

Woher soll man wissen, was wahr ist? Ist es bloß eine Frage, wem ich mehr vertraue? Oder wer mehr das sagt, was ich hören will?

Was für aktuelle Fragen, die sich die Protagonistin da stellt! Und Leah ist wirklich verzweifelt, denn ihre Welt steht Kopf: Ihr Zwillingsbruder Noah liegt im Koma, nachdem er zusammengeschlagen wurde. Von Geflüchteten – er, der doch so vielen geholfen hat und immer auf der „richtigen Seite“ stand. Wie kann das sein? Oder ist das alles gar nicht wahr? Hat Noah sich verändert, seine Ansichten um 180 Grad gewendet, wurde er in der Zeit vor der Gewalttat wirklich zu einem Nazi? Was Leah herausfindet und erfährt, verwirrt sie mehr und mehr. Wie soll sie je herausfinden, was wahr ist, ohne mit ihrem Bruder sprechen zu können?

Gewagt lässt der Autor Leah in sehr verführerische und eloquente rechtsgerichtete Kreise geraten und zeigt die manipulative und höchst gefährliche Überzeugungskraft solcher Menschen. Das macht die Lektüre trotz manch anderer eher weniger elaborierter Handlungsstränge sehr spannend.

Andreas Götz: Wir sind die Wahrheit. Dressler Verlag 2020, 17.- €

21.06.2020 - Erfreulich locker und selbstverständlich erzählt die Autorin schon für Dritt- und Viertklässler die Geschichte einer Selbstfindung.

Dass irgendwas nicht stimmt, dass er sich nicht „richtig“ fühlt, weiß Leo schon länger. Doch erst, als ihm endlich sein neuer Name einfällt, wird ihm wirklich klar, was Sache ist: Er ist gar kein Junge! Tief in sich drinnen spürt er, dass er ein Mädchen ist und Jennifer heißt. Als Jennifer das jedoch ihren Eltern und Großeltern mitteilt, stößt sie auf Unverständnis, Zweifel, Unsicherheit und bei ihrem Vater auch auf sehr viel Sturheit. Zum Glück gibt es Freunde, für die das alles kein großes Ding ist, und auch die Lehrerin ist offen und hilfsbereit.

 

Franz Orghandl: Der Katze ist es ganz egal. Klett Kinderbuch Verlag 2020, 13.- €

14.06.2020 - Ein Sommer auf Penny-Hinterhöfen und unterwegs, von Fulda bis zur Nordsee, auf der Suche nach Jo und der eigenen Identität.

“Seinen Namen sucht man sich nicht aus, der wird einem gegeben, erst bei der Geburt und dann hier auf dem Hinterhof.“ Es ist Entenarsch, die das sagt, und der Hinterhof ist der vom Penny, auf dem abhängt, wer dazugehören will. Das will Entenarsch unbedingt, auch und besonders wegen Can. Der beachtet sie jedoch genauso wenig wie die anderen, Marie, Vika, Otto, unser Pavel und Leroy. Gehört sie überhaupt wirklich dazu? Und ist sie eigentlich ein Entenarsch? Und wenn: Ist sie zum Entenarsch geworden, weil sie so genannt wird, oder wird sie so genannt, weil sie einer ist? Aber dann entwickelt sich dieser Sommer zu ihrer Chance, den Namen abzulegen. Denn Jo muss gesucht und gefunden werden, vor allem für Marie. Jo, der ihr den Namen gegeben hat, und der vor sechs Monaten verschwunden ist. Es gibt Postkarten, Spuren, Zeichen, die nach Süden führen. Doch man braucht ein Auto, um den Spuren folgen zu können. Und die einzige, die ein Auto und einen Führerschein hat, ist Entenarsch. 

Großartig erzählte Geschichte über so vieles, was man lernen muss auf dem Weg ins Erwachsenenleben:  Verantwortung übernehmen für seine Handlungen und Worte, selbstbestimmt und notfalls unter Inkaufnahme von Schmerzen Dinge in Ordnung bringen, und nicht zuletzt: sich seinen Namen aussuchen.

Sarah Jäger: Nach vorn Nach Süden. Rowohlt/Rotfuchs Verlag 2020, 18.- €

11.06.2020 - Der Roadtrip geht nach Brüssel! 

Ohne Umschweife steigt man direkt in die Geschichte ein: Ates Whatsapp-Freund Baptiste schreibt ihm, dass er pleite ist und sein Handy verkaufen muss, woraufhin Ate spontan beschließt, nach Brüssel zu fahren und ihm sein altes Handy zu bringen. Ate wohnt in Holland, nach Brüssel sind es gut drei Stunden Fahrt, doch der Zeitpunkt ist günstig, da seine Mutter Freitag und Samstag immer bei ihrem Freund verbringt. Wer Ate jedoch am Bahnhof in Brüssel abholt, ist nicht Baptiste: Ein großes schwarzes Mädchen nimmt ihn mit in ein leerstehendes Haus und erzählt ihm, in welcher Gefahr sie – und Baptiste auch – ist. Auch wenn Ate ihr kein Wort glaubt, beginnt er sich doch zu fragen, was er eigentlich wirklich von Baptiste weiß, was er über ihn wissen will. Und was nicht. Und vor allem: Warum nicht.

Eine spannende und gleichzeitig gut lesbare Geschichte auf Augenhöhe des dreizehnjährigen Protagonisten. Besonders gelungen kommt rüber, wie komplex die Lage vieler Geflüchteter und illegal Lebender (hier: Kongolesen in Brüssel) ist, wie verflochten die Beziehungen und Abhängigkeiten sein können. 

Tjibbe Veldkamp: Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé. Carlsen Verlag 2020, 12.- €

07.06.2020 - Das wäre auch mal eine spannende Erfahrung gewesen für diese lange Zeit des Hausarrestes: Ausprobieren, wie man sich im Körper eines anderen Geschlechts so fühlt...

„Emmaboy Tomgirl“ von Blake Nelson war vermutlich das erste Jugendbuch, das die Idee hatte, Pubertierenden einen Geschlechtertausch aufzubürden, auf dass sie lernen, wie es sich in der Haut des jeweils anderen Geschlechts anfühlt. Das bot Anlass für viele herrlich komische Situationen, blieb dabei aber nicht unpädagogisch, zumal immer abwechselnd beide Sichtweisen zur Sprache kamen. In diese Richtung ging daher meine Befürchtung, als ich „Anna und Anto – plötzlich anders“ anfing zu lesen. Hat sich nicht bewahrheitet, so viel vorweg. 

Anna und Anton sind Zwillinge und 14 Jahre alt. Die Geschichte wird aus Annas Sicht erzählt, und das mit viel Humor. Als sie sich plötzlich ohne Vorwarnung in dem Körper ihres Bruders wiederfindet, sitzt sie neben dessen bestem Freund Maxim - in den sie verliebt ist. Dieser Twist, sowie die Reaktionen der Eltern, Antos, der besten Freundin Annas und eben auch Maxims Umgang mit dem so veränderten Anto machen die Geschichte abwechslungsreich und komplex. Und dabei bleibt sie immer sehr unterhaltsam. Macht Spaß! 

Gerlis Zillgens: Anna und Anto. Plötzlich anders. Planet bei Thienemann 2020, 12.- €

04.06.2020 - Gerade jetzt, wo sie langsam wieder kommen dürfen, macht dieses Buch großen Spaß!

Wen erwartet die Frau in dem hübschen Rock so ängstlich? Wer kommt und klingt wie eine Rhinozerosherde? Hat hoffentlich gut geschlafen und gefrühstückt? Stellt hoffentlich nicht zu viele Fragen und bestraft hoffentlich nicht, wenn sie die Antworten nicht weiß? 

Albertine/Sylvie Neeman: Sie kommen. Aladin Verlag 2020, 15.- €

31.05.2020 - Der Wahnwitz von Verschwörungsgeschichten – auch wenn es hier noch nicht um Corona geht – ist beängstigend.

Vor zehn Jahren, da war er gerade 5 Jahre alt, war Juri mit seiner Mutter zuletzt bei seinem Vater. Der hat jedoch den beiden die Tür nicht aufgemacht. Jetzt ist Juri fünfzehn und die Aussicht auf Sommerferien bei seiner Mutter und dem saufenden Typen, den diese gerade als Partner hat, begeistert ihn so wenig, dass er beschließt, es noch einmal bei seinem Vater zu versuchen. Er fährt ohne Ankündigung in das Dorf im Schwarzwald – und die Tür seines Vaters steht offen. Mit den nicht gerade schmeichelhaften Kommentaren seiner Mutter im Ohr ist Juri skeptisch, doch der Vater scheint zwar ein Spinner zu sein, verbringt aber Zeit gemeinsam mit dem Sohn beim Angeln, Modell-Bauen und Arbeiten im Haus. Und da ist noch das Projekt des Vaters. Über das erzählt er nicht viel, es hat zu tun mit dem Wald und dem bevorstehenden Krieg, seinem Freund Achim und dessen Familie, die allesamt Zivilisations-fern im Wald wohnen. Juri findet einiges etwas schräg, doch dass die Geschichte gefährlich werden könnte, darauf kommt er erst spät mit Hilfe einiger Jugendlicher aus dem Dorf, die Juris Vater und dessen Freunde schon länger beobachten.

Wer gänzlich ohne jemals irgendetwas von den wahnwitzigen Verschwörungsgeschichten à la „Die Mondlandung hat es nie gegeben, aber die amerikanische Regierung steht in Kontakt mit Außerirdischen“ oder „Den 11. September hat es nicht gegeben, das waren CIA Raketen, gezielte Sprengungen“ oder „Beim Holocaust wurden nicht sechs Millionen Juden ermordet, sondern genau 375 000“ gehört hat, der oder die wird vielleicht am Ende der Lektüre immer noch nicht verstehen, was bei diesen Menschen falsch läuft – aber vielleicht Interesse entwickeln, sich darüber etwas mehr zu informieren. Und erkennen, dass solche „Theorien“ brandgefährlich sind.

Martin Schäuble: Sein Reich. Fischer Verlag 2020, 14.- €

28.05.2020 - Wenig Text und ganz auf das Wesentlich reduzierte Illustrationen mit großer Aussage, beeindruckend. Am besten gemeinsam lesen und deuten.

Wer nicht weiß, wann er genug hat, ist arm dran. Fausto ist so einer, der alles und jeden besitzen will. Und wenn sich jemand oder etwas nicht sofort seinem Willen fügt, wird er sehr wütend. Das Meer lässt sich nicht besitzen, es ist groß und frei und klüger als Fausto. Und damit kann Fausto gar nicht umgehen...

Wenige treffende Worte, skizzenhafte Zeichnungen im leeren Raum, großzügig gestaltet – ein sehr gelungenes und ungewöhnliches Buch voller Wahrheit.

Oliver Jeffers: Die Fabel von Fausto. NordSüd Verlag 2020, 18.- €

24.05.2020 - Nach fast acht Wochen quasi Hausarrest mit der gesamten Familie ist dem einen oder der anderen vielleicht diese Idee schon einmal gekommen...

Wer wollte das nicht schon einmal in seinem Leben: Einen Bruder oder eine Schwester, die oder der einem so richtig auf den Wecker geht, eintauschen, notfalls auch gegen ein Erdmännchen! Ein Erdmännchen? Nun ja, das dann vielleicht doch nicht, denkt zumindest Jonny, als der im Internet eingetauschte Bruder auftaucht und sich verdächtig Nager-mäßig benimmt. Anstrengend. Beim nächsten Versuch allerdings läuft es auch nicht viel besser. Und irgendwann hat Jonny die Nase voll und möchte die Sache rückgängig machen. Doch plötzlich ist die Website nicht mehr aufrufbar! Was nun? Wie kann Jonny seinen Bruder jetzt je wiederfinden?

Jo Simmons: Hilfe, ich habe meinen Bruder im Internet getauscht! Schneiderbuch 2020, 14.- €

21.05.2020 - So viel Gelassenheit, Respekt und Liebe zu erfahren, wie diese Großmutter beweist, wünscht man jedem Kind!

Meerjungfrauen sind so schön, schillernd und faszinierend – kein Wunder, dass Julian hin und weg ist, als er drei davon in der Metro trifft. Er ist so bezaubert, dass er sich zuhause auch als Meerjungfrau verkleidet. Als seine Großmutter ihn so sieht, ist sie nicht etwa verärgert oder peinlich berührt – im Gegenteil! Sie sieht, wie glücklich Julian ist, hängt ihm eine Perlenkette um den Hals und nimmt ihn mit zur Parade der Meerjungfrauen. Wunderbar! Eines der schönsten Bücher dieses Frühjahrs, in Bild und Inhalt.

Jessica Love: Julian ist eine Meerjungfrau. Knesebeck Verlag 2020, 13.- €

17.05.2020 - Wer liest, lernt Empathie - eine derjenigen Fähigkeiten, die sich gerade in Zeiten wie den jetzigen als essentiell herausstellen. Wenn darüberhinaus Empathie in der spannenden Geschichte selbst eine große Rolle spielt – was will man mehr?

Eine Freundschaft verändert diejenigen, die befreundet sind, besonders, wenn es eine sehr enge und ungewöhnliche Freundschaft ist. Nicht nur durch die Art, wie andere die Freundschaft sehen und beurteilen, vielleicht auch verurteilen. Es ist auch die Nähe, die man zu dem Freund spürt, es ist die Empathie, es ist nicht zuletzt der Blick, den man annimmt: Man sieht die Welt durch die Augen des anderen. Und das verändert manchmal alles.

Die Geschichte einer solchen Lebens-verändernden Freundschaft erzählt Scherz spannend und liebevoll, unaufgeregt und mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Es ist die Freundschaft zwischen Habbi, dem Erdhörnchen, und Yaruk, einem Wolf. Nach dem Winterschlaf treffen sich die beiden wie verabredet auf der Wiese jenseits des großen Flusses. Sie verbringen einen wunderbaren Tag zusammen, obwohl Habbi den Eindruck hat, dass Yaruk sich verändert hat, aber noch nicht davon erzählen möchte. Am Abend, als Habbi sich auf den Heimweg macht, müssen die beiden feststellen, dass der Fluss plötzlich viel größer und reißender ist. Habbi kann nicht zurück. Doch kann er es wagen, im Wolfsrudel unterzukommen?

Oliver Scherz: Ein Freund wie kein anderer: Im Tal der Wölfe. Thienemann Verlag 2020, 14.- €

Habbi ist so mutig und neugierig wie kein anderes Erdhörnchen. Während seine Geschwister Beeren sammeln und dabei nicht den Futterpfad verlassen, zischt Habbi durch den Wald und freut sich über Federn, Libellenflügel und die Sonnenstrahlen im Unterholz. So erreicht er eines Tages das Ende der Welt: den Bach, der ein reißender Fluss wird. Und dort wäre er beinahe ertrunken, wenn er nicht gegen etwas Großes Weiches geprallt wäre: ein Wolf. Vor dem warnt ihn seine Mutter doch immer – wieso liegt er so kraftlos herum? Als Habbi merkt, dass der Wolf verletzt ist, überlegt er nicht lange, sondern überwindet seine Angst und hilft ihm. Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft...

Oliver Scherz: Ein Freund wie kein anderer. Thienemann Verlag 2018, 14.- €

14.05.2020 - Wie könnte die Welt in dreißig Jahren aussehen und was bedeutet das für uns hier und heute? 

Billy Schmidt ist fast fünfzehn, als sie im Rahmen eines Geschichtsprojektes beginnt, ihre Großmutter Nancy über die Vergangenheit zu befragen. Im Sinne von lebendiger und persönlicher Geschichte beschreibt sie zuvor auch kurz ihren eigenen Alltag im Jahre 2050. Da die Großmutter fast einhundert Jahre alt ist, kann sie viel Spannendes berichten, nicht wenig davon erscheint Billy im Vergleich zu ihren jetzigen Lebensumständen wahnsinnig altmodisch und fremd. Doch dann erreichen sie die letzten 20, 30 Jahre, die Zeit vor Billys Geburt und auch die Zeit, in der ihr Onkel Quentin erst verschwand und dann unter unklaren Umständen starb. Die Großmutter erzählt vom SHOCK, der großen Klimakatastrophe und den Folgen für die Gesellschaft, von Populisten, die an die Regierungen kamen und für Chaos sorgten, von Widerstand und Aufbegehren, von Resignation und dem Akzeptieren des Unvermeidlichen. Und Billy beginnt ihre eigenen Nachforschungen, sucht nach Freunden von Quentin und stöbert in alten Dokumenten. Und langsam beginnt sie zu verstehen – und zu handeln...

 

Auch wenn der Plot auf die Berichte und gesammelten Dokumente der Großmutter beschränkt bleibt und nur an den Rändern etwas ausfranst, um gleichzeitig missionarisch-pädagogisch zu werden – lesenswert ist das Buch vor allem aufgrund seiner vielen unheimlich realitätsnah weitergedachten Zukunftsentwürfe. Z.B. wenn die Großmutter die Entstehung der jetzigen (2050) Wohnverhältnisse erläutert: „Doch seit Beginn der 2020er Jahre kam es immer häufiger zu Ausbrüchen von Virusepidemien. Die eine breitete sich über China aus, die andere über Spanien, die dritte über Brasilien. Jede dieser Pandemien forderte weltweit Zehntausende Tote. Außerdem unterbrachen sie massiv die weltweiten Lieferketten, was die Wirtschaftsleistungen sehr beeinträchtigte. Ende der 2020er war klar, dass etwas unternommen werden musste...“ (Seite 127)

 

Thomas Harding: Future History 2050. Jacoby & Stuart 2020, 18.- €

10.05.2020 - Ein auch - und vielleicht gerade? -  in Corona-Krisen-Zeiten leider aktuelles Thema: Angst, Ausgrenzung, die Suche nach Sündenböcken. 

An seinem elften Geburtstag bekommt Jannik von seinem großen Bruder Bo ein aufregendes Geschenk: Ein Adler-Notizbuch. Nun seien er und seine Freund*innen Elias, Kai, Pinar und Loni keine Kinder mehr, nun könnten sie Adler werden und richtig spielen, meint Bo. Und er muss es wissen, denn er erfindet die Spiele: Rätsel, Codes und Aufgaben, die die fünf Freunde als Gruppe und in verschiedenen Rollen lösen müssen. Doch irgendetwas verändert sich im Laufe des Spiels – und das hat nicht nur, aber doch viel mit der Situation in ihrer Straße zu tun. Plötzlich gibt es Stress mit Arbeitsstellen und Wohnungen, die Erwachsenen verfeinden sich, suchen Sündenböcke. Und die Kinder machen es ihnen nach. Wie kann Jannik seine Freunde wieder zur Vernunft bringen, was haben sie plötzlich gegen Loni? Und welche Rolle spielt Bo in der Sache?

Spannend und dicht erzählt Marmon von Freundschaft und Angst, Feigheit und dem so wichtigen inneren moralischen Kompass.

Uticha Marmon: Als wir Adler wurden. Fischer Sauerländer 2020, 14.-€

07.05.2020 - Vorbild sein für den Nachwuchs – wer versucht das nicht?

Und wer schafft es eigentlich?

Erwachsene sind – das weiß jedes Kind – Vorbilder in ihrem Tun und Benehmen. Sie fluchen nicht, mogeln nicht, vergessen nie etwas und lassen ihre Sachen nicht herumliegen. Deswegen haben sie ja auch das Recht, den Kindern genau dieses korrekte Benehmen zu befehlen. Wenn die Kinder allerdings genauer hinschauen – und das tun sie in diesem Buch – entdecken sie Ungeheuerliches!

Herrlich, wie die Zeichnungen die Texte Lügen strafen, indem sie die vorbildlichen Erwachsenen gnadenlos entlarven. Das wird Kinder jeden Alters erfreuen.

Davide Cali/Benjamin Chaud: So was tun Erwachsene nie! Thienemann Verlag 2020, 12.- €

03.05.2020 - Es gibt auch private Krisen, und die können furchtbar zermürbend sein

Mitten im Schuljahr kommt der Neue, Louis, und Helsin kann ihn von dem Moment an nicht leiden, in dem er sich über ihren Namen lustig macht. Und dann scheint sich ihr bester Freund Tom auch noch mit Louis anzufreunden! Und es gibt ein Louis-Geheimnis, das alle kennen außer Helsin! Die Mischung aus Wut, Trauer, Eifersucht und Beleidigt-Sein, die Helsin empfindet (und Höfler großartig einfängt!), lässt sie Sachen machen, die sie sofort bereut. Aber einmal gelogen, und schon kann man die Wahrheit gar nicht mehr sagen, und einmal Dieb, immer Dieb, oder? Helsin kämpft, leidet, quält sich, explodiert, vertut sich und wächst über sich hinaus. Eine liebenswerte, lebensnahe Heldin voller Ecken und Kanten, und eine tolle Geschichte!

Stefanie Höfler: Helsin Apelsin und der Spinner. Beltz Verlag 2020, 12.95 €

30.04.2020 - Bei Lockerung des Lockdowns Klimaziele berücksichtigen!

Auffällig viele gut gemachte Sachbücher für Kinder und Jugendliche sind aus dem Niederländischen übersetzt. Man denke an Bibi Dumon Tak mit ihren wunderschönen Tierbüchern oder auch Jan Paul Schutten und Floor Rieder mit den Bänden Evolution und Der Mensch, um nur zwei Beispiele zu nennen. Marc Ter Horst und die Illustratorin Wendy Panders müssen den Vergleich nicht scheuen. Sie haben hier eines der besten Bücher zum Thema Klimawandel in diesem Frühjahr vorgelegt – und davon gab es in den letzten Monaten nicht wenige. Das Buch ist umfassend und dabei gut nachvollziehbar strukturiert: Es beginnt mit der Frühgeschichte des Klimas, über Eiszeiten und Forschung zum Klimawandel geht es bis zu den Ursachen und Folgen. Dabei wird nicht nur wirklich gut, verständlich und klar erklärt, man hat auch noch Spaß dabei, amüsiert sich und ist gut unterhalten. Der Ernst der Lage wird dennoch deutlich, ohne dass im Geringsten dramatisiert oder polemisiert wird. Die Illustrationen sind pfiffig und ergänzen die Texte hervorragend. Rundum gelungen! 

Marc Ter Horst: Palmen am Nordpol. Gabriel bei Thienemann 2020, 19.- €

„Meckert! Seid ungemütlich! Lasst uns nicht in Ruhe!“ Denn es ist an uns, etwas für eure Zukunft zu tun, wir müssen eine Welt hinterlassen, in der man gut leben kann.

Dieser Aufruf schließt ein sehr informatives und gut aufgebautes Buch ab, in dem das komplexe Thema knapp, übersichtlich, leicht verständlich und großzügig illustriert erklärt wird. Im ersten Teil wird erklärt, was das Klima ist und welche Einflüsse dabei eine Rolle spielen. Im zweiten Teil geht es um den Klimawandel, vom Titel-gebenden Eisbären bis zu den Korallen, vom Regenwald bis zu den Unwettern. Im dritten Teil schließlich wird ausführlich erläutert, was Klimaschutz alles umfassen kann. Und in dem abschließenden Aufruf wird zugleich deutlich, dass zwar alle gemeinsam helfen können: „Trotzdem tragt ihr die Verantwortung für die Erde nicht auf euren Schultern. Wir Erwachsenen sind dran.“ Auch das muss mal gesagt werden!

Kristina Heldmann: Ohne Eis kein Eisbär. Jacoby&Stuart 2020, 15.- €

26.04.2020 - Auch in diesen seltsamen Zeiten gibt es genug Wege,

einander Respekt und Freundlichkeit zu zeigen.

Eine einfache Botschaft, die trotzdem und gerade heutzutage nicht oft genug wiederholt werden kann: Wir selbst gestalten unsere Welt, und wenn wir nett sind, offen und mitfühlend, machen wir diese Welt zu einer besseren. Jede/r kann das, alle können mitmachen, es gibt so viele unterschiedliche Arten, wie man anderen etwas Gutes tun kann, wie man einfach nett sein kann – da finden alle ihren Weg.

Tolle Idee - und mit 38 verschiedenen Illustrator*innen super umgesetzt!

Axel Scheffler: Einfach nett. Beltz Verlag 2020, 12.95 €

23.04.2020 Am Welttag des Buches -  Richtig gutes Lesefutter: Spannende, witzige, lässige und lustige Abenteuer-Freundschaftsgeschichten

Gibt es Menschen, die einfach richtig böse sind? Robin und sein Freund Nils glauben daran, dass die Zwillinge Sven und Maik das Böse in sich tragen. Und so sind sie sicher, dass das richtig üble Video auf Janniks Handy von den beiden gemacht wurde, sie Janniks Handy geklaut und dann am See verloren haben. Jetzt hat Robin es gefunden – und was tun? Das Video löschen und Problem gelöst? Irgendwie nicht, denkt Robin, und macht sich auf, um mit Jannik zu sprechen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Nur: Der will gar nicht und benimmt sich richtig blöd. Was nun? Gerechtigkeit auch für Blöde? Zusammen mit Kilian aus Berlin und Robins Cousine Zilli beschließen Robin und Nils, für Gerechtigkeit zu sorgen, trotz allem! Ganz tolle Geschichte in genau der richtigen Mischung aus spannend, witzig, lässig und engagiert!

Ulrich Fasshauer: Robin vom See  1 – Die Bande zur Rettung der Gerechtigkeit. Magellan Verlag 2019, 13.- €

Auch der zweite Band spielt in diesem idyllischen Ambiente auf der Mecklenburgischen Seenplatte: Es sind Sommerferien und das Geschäft von Robins Vater – Kajakverleih am See – boomt, denn es herrscht eine Hitze, bei der man es fast nur im Wasser aushalten kann. Robin, Nils und Zilli testen gerade neue Wasser-Weitsprungarten, als es passiert: Robin trifft auf ein Krokodil! Sofortiges Badeverbot! Das ist der Super-GAU für die Geschäfte, die von den Touristen leben – oder? Erstmal nicht, im Gegenteil: Vor lauter Sommerloch stürzen sich die Reporter auf die Geschichte und Robin wird kurz berühmt. Doch dann findet man das Krokodil einfach nicht und irgendwann scheint niemand mehr Robin zu glauben. Gut, dass Kilian aus Berlin wieder gekommen und sofort bereit ist, mit Robin auf nächtliche Krokodilsuche zu gehen...

Auch im zweiten Band gelingt Fasshauer die perfekte Mischung: spannende Abenteuergeschichte, witzige Dialoge, bunte, toll gezeichnete Typen, lässiger Ton. Klasse! Hoffentlich kommen noch ein paar Bände!

Ulrich Fasshauer: Robin vom See 2 – Die Jagd nach der graugrünen Gefahr.  Magellan Verlag 2019, 13.- €

Auch der dritte Band der Reihe „Robin vom See“ ist unbedingt lesenswert – und das ist schon bemerkenswert, denn wie oft fangen Reihen-Geschichten nach einer Weile an zu langweilen. Diese nicht! Zeitlich schließt die Handlung wieder direkt an die beiden vorherigen Bände an: Die Sommerferien sind vorbei, der Herbst kündigt sich schon langsam an. Und Robin glaubt, dass sein Vater einsam ist und vielleicht eine Frau braucht. Da kommt Lara in ihrem VW-Bus gerade richtig. Nur leider hat sie eine unerträgliche Tochter dabei: Aurelia, sieben Jahre alt, ungezogen, nörgelig, tyrannisch. Was jetzt? Robin ruft die Bande auf dem Plan und mit Jannik, Kilian, Zilli und Nils steht das Projekt „Bändigung des Biestes“ schnell. Eine Möglichkeit, Aurora loszuwerden, wäre, ihren Vater zu finden – aber irgendwie mauern Mutter und Tochter sofort bei dem Thema...

Wieder so nonchalant erzählt (wer kann es sich schon erlauben, in einem Jugendbuch so einen Satz zu schreiben: „...ein Karton voller zerrüttetem Verstand fachte das Feuer an...“?) und absolut ohne Längen, dafür mit viel zurückhaltendem Humor und einem tollen Einfühlungsvermögen für die Personen und, ja: Dieser Autor hat etwas zu erzählen. Und das macht er großartig.

Ulrich Fasshauer: Robin vom See 3 –Das Sturmtief über Schikagow.  Magellan Verlag 2020, 13.- €

19.04.2020 - Eins der schönsten Bücher vom Frühjahr...

Auch wenn Bernt ein Klugscheisser ist, bleibt er doch Ulfs bester Freund (außerdem hat Ulf von ihm schon mehr gelernt als in der Schule), und zusammen suchen die beiden gerne das Abenteuer. Zum Beispiel beim Riesen Oskarsson. Der ist gefährlich und frisst vielleicht Kinder, aber wenn Ulfs Mama Klavier spielt, wird er ganz ruhig. Dann passieren zwei Katastrophen auf einmal: Ulfs Mama spielt nur noch schrecklich traurige Lieder, weil sie ihre geliebte Einsamkeit nicht mehr hat, was beim Riesen ziemlich schlechte Laune verursacht, und Ulf verrät ein Geheimnis über Bernt, woraufhin dieser ihm die Freundschaft aufkündigt. Was nun?

Eine Perle des Frühjahrs: Leicht, mutig und lustig erzählt Stark eine Geschichte voller Weisheit und Wahrheit. So kann gute Literatur für Kinder aussehen. Und als I-Tüpfelchen machen die schönen Bilder von Regina Kehn das Buch perfekt.

Ulf Stark: Als ich die Pflaumen des Riesen klaute. Urachhaus Verlag 2020, 16.- €

16.04.2020 - Toll, dass jetzt bereits der dritte Band von Bifi & Pops erschienen ist,

denn die sind genau richtig in Umfang und Anspruch, Spannung und Witz.

Wer hätte gedacht, dass man Diebe an ihren Pupsen erkennen kann? Bifi kann das! Als ihm am Morgen das Frühstück vor der Nase weggestohlen wird, riecht er Dosenfisch-Katzen-Pups! Unerhört! Den Rest des Tages sucht und schnüffelt er (uääh), denn das Frühstück bleibt nicht der einzige Diebstahl...

Stefanie Taschinski: Bifi & Pops: Mission Katzenpups. Oetinger Verlag 2019, 8.- €

Wieder spielt Bifis toller Geruchssinn eine Rolle, und wieder wird ein Rätsel geklärt. Bifi und Pops sind eigentlich ein tolles Team. Bifi weiß genau, was „Sitz“ und „Platz“ bedeuten, also muss er es nicht mehr dauernd zeigen. Lieber tut er Pops den Gefallen und spielt Hol-den-Ball, was Pops ja offensichtlich so liebt. Warum Pops also meint, sie müssten gemeinsam eine Hundeschule besuchen, versteht Bifi nicht ganz. Und dass er sich dort ganz anders benimmt als zuhause, hat sowieso andere Gründe...

Stefanie Taschinski: Bifi & Pops: Mission Hundeschule. Oetinger Verlag 2019, 8.- €

Endlich kann Bifi beweisen, was für ein Held er ist, denn auf dem Ausflug mit Pops muss er ganz schön aufmerksam sein! Pops bemerkt weder die Wildschweine noch den Fuchs - wer weiß, was passiert wäre, wenn Bifi nicht aufpassen würde...Und als die Bienen ausschwärmen, ist es Bifi, der sie findet. Dass er am Ende endlich mal den unhöflichen Nachbarn anspringen darf, ist nur gerecht!

Stefanie Taschinski: Bifi & Pops: Mission Bienenstich. Oetinger Verlag 2020, 8.- €

12.04.2020 - Lustig, trocken, spannend und klasse illustriert.

Ein köstlich amüsanter Spaß im Doppelpack für kleine Leser*innen,

aber auch hervorragend zum Vorlesen geeignet!

Trudel wird geradezu aus dem Hühnerhof herauskatapultiert und landet hinter dem Zaun, in der Wildnis. Auch du dickes Ei! Aber nun, wo sie schon hier ist, kann sie sich ja auch mal ein bisschen umsehen, vielleicht das Mehr, von dem die Möwe gesprochen hat, mal bewundern. Wie gefährlich die Welt für ein Haustier wie Trudel ist, hätte sie nicht erwartet…

Schöne Geschichte über Freunde, die sich manchmal hinter harten Schalen verbergen, die jedoch durch eine gute Portion Unschuld und entwaffnende Freundlichkeit geknackt werden können.

Eva Muszynski/Karsten Teich: Trudel Gedudel purzelt vom Zaun. Cbj 2019, 12.- €

Trudel sitzt mit ihren neuen Freunden, einer gefräßigen Möwe und einer griesgrämigen alten Schiffsratte, immer noch am Meer und genießt den Sonnenuntergang. Doch die Nacht möchte sie lieber im Hühnerstall verbringen, und so macht sie sich auf den Heimweg. Da der Weg jedoch durch den Wald führt, wo – wie man weiß – der Fuchs wohnt, begleitet sie Klautermann, die Schiffsratte. Und Gräten-Käthe fliegt als Ausguck oben drüber. Dass Klautermann vielleicht ein bisschen weniger mutig ist, als er sagt, und Gräten-Käthe etwas unzuverlässiger als versprochen, ahnt Trudel ebenso wenig wie die ungewöhnliche Tatsache, dass sich Ete und Petete, die beiden Puten, ebenfalls im Wald auf die Suche nach Trudel gemacht haben. Und dann ist da auch noch der Fuchs... aber, wie immer hat Tante Elli am Ende recht: Hast du Freunde in der Not, kriegt der Fuchs kein Abendbrot!

Eva Muszynski/Karsten Teich: Trudel Gedudel foppt den Fuchs. Cbj 2020, 12.- €

10.04.2020 - Sehr amüsant, jedoch nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen!

Eigentlich hat der Vater in den Ferien einen Besuch am Baggersee versprochen, aber nun muss er erst noch etwas arbeiten – und Mika soll warten, leise sein, nicht stören. Was natürlich viel besser geht, wenn man ein Haustier hat, mit dem man sich beschäftigen kann. Das sieht der Vater ein und erlaubt Mika, sich im Zoogeschäft ein Haustier zu holen. Ziemlich leichtsinnig! Das erste Tier ist eine Wüstenrennmaus, die leider am nächsten Tag schon nicht mehr zu finden ist. Der Vater schickt Mika wieder in den Zooladen, dort soll er sich Hilfe holen. Und das tut Mika...

Sehr amüsant, die kreativen Ideen von Mika und dem Zoogeschäftbesitzer!

Katja Gehrmann/Constanze Spengler: Seepferdchen sind ausverkauft. Moritz Verlag 2020, 14.- €

06.04.2020 - Eine Freundschaftsgeschichte mal anders. 

Freddie und Mattis sind schon immer Freunde und schon immer ziemlich gegensätzlich gewesen. Während Freddie eher ein Harmoniemensch ist, keinen Streit mag und auch nicht unbedingt auffallen möchte, ist Mattis ein echter Halunke, der nur dummes Zeug im Kopf hat und über Regeln gerne mit einem breiten und charmanten Grinsen hinweggeht. Die gesamte Grundschulzeit (in Berlin bis nach der sechsten Klasse) hat Freddie alles mitgemacht und ehrlich gesagt Mattis auch oft gerettet, ihn zurückgehalten, abgelenkt, gebändigt. Das ist auch jetzt noch dringend nötig, denn nun, kurz vor Ende des Schuljahres, kann sich Mattis keine Verwarnung mehr leisten. Doch leider werden seine verrückten Ideen immer gefährlicher und Freddie wird immer mulmiger zumute...Wird er mal wieder seinen Kopf für Mattis hinhalten müssen?

Ein sehr ungewöhnliches Buch – nicht nur, weil die Erzählerin immer wieder auftritt, kommentiert, sich einmischt, ohne sich je zu erklären (was sehr gekonnt und in genau dem richtigen Maße passiert, den jungen Leser*innen aber oft einen Bruch in der Geschichte und ein Umschalten auf eine Metaebene abverlangt). Auch die Geschichte ist eine Herausforderung, sie erwartet vom Leser, sich eine Meinung zu bilden, enttäuscht dann gerne die Erwartungen und Hoffnungen, geht nicht den gewohnten, bekannten (pädagogischen) Weg, sondern ist mehr wie das Leben selbst: manchmal unbefriedigend. Klasse!

Anke Stelling: Freddie und die Bändigung des Bösen. Cbj Verlag 2020, 13.- €

03.04.2020 - Beginn der Reihe "Buch der Woche/für das Wochenende"

Nach unzähligen Büchern, bei denen Anke Kuhl illustriert hat und deren Illustrationen ich ausnahmslos in den höchsten Tönen gelobt habe, dürfte es keinem mehr verborgen geblieben sein: Ich bin absoluter Anke-Kuhl-Fan. Immer schon gewesen. Und nun kommt mein ultimatives Lieblingsbuch: Anke Kuhl zeichnet Szenen aus ihrer Kindheit. Herrlich, witzig, böse, und ganz sicher alles genau so passiert. Großartig! Am besten liest man das übrigens Generations-übergreifend.

Anke Kuhl: Manno! Alles genau so in echt passiert. Klett Kinderbuch 2020, 16.- €

Wer immer schon wissen wollte, wie diese Bücher 

eigentlich ausgewählt werden, liest hier: 

Woran erkennt man eigentlich ein gutes Buch?

22.11.2020 Aus immer aktuellem Anlass ein paar anregende

neue Sachbücher zum Thema:

So einiges ist sehr erhellend in diesem Buch, fast glaube ich, dass auch Erwachsenen staunen, wenn ihnen noch einmal vor Augen geführt wird, worin Plastik alles enthalten ist – in ihrer Schuhsohle, den Sportklamotten, dem Shampoo. Und ist ihnen wohl bewusst, dass der größte Energie-Verbraucher das Internet mit seinen riesigen Rechenmaschinen ist? Zum Glück lernen die Kinder in diesem Buch das und mehr rund um das Thema Plastik - und schaffen es hoffentlich, den Erwachsenen die vielen guten Tipps zur Vermeidung, zum Sparen und Recyceln nahezubringen. (ab 8)

Nadine Schubert/Inka Vigh: Grüne Helden. Ohne Plastik geht es auch. Magellan Verlag 2020. 15.- €

 

 

Man kann sich sein Klima-Wissen auch auf sehr unterhaltsame und zerstreuende Weise aneignen. In diesem Buch sind 123 kurze Beiträge mit kuriosen und weniger kuriosen Fakten versammelt, beginnend mit den Zusammenhängen und Grundlagen unserer Existenz auf der Erde über die Veränderungen und deren Folgen  bis zu den Hoffnungsschimmern einiger Lösungsvorschläge. Warum Haie uns das Überleben sichern, Kot den Wald gesund hält oder Wüsten den Fischen Nahrung liefern, wo man überall Plastik gefunden hat, warum Rauchen nicht nur schlecht für deine Gesundheit  und in Peking und Shanghai manchmal der Tag fast so dunkel wie die Nacht ist, oder dass pro Minute 17 Fußballfelder Wald verschwinden – vor allem mit einem soliden Vorwissen machen diese „Bonus-Fakten“ samt der feinen Illustrationen großen Spaß. (ab 11)

Mathilda Masters: 123 superschlaue Dinge, die du über das Klima wissen musst. Hanser Verlag 2020, 18.- €

 

Bullet Journals sind ja in diesem Jahr sehr angesagt, auch selbst hergestellte – was kein Wunder ist, selten hat man so viel Zeit, sich seinen eigenen Kalender zu entwerfen, zu gestalten, zu schreiben und zu zeichnen. Hier muss man nicht mehr viel selber zeichnen, kann aber trotzdem mitgestalten und vor allem anfangen, sich zu engagieren. Die Mischung aus wenigen ausgewählten Fakten – eine Doppelseite pro Monat - und umso mehr Befragungen, kleinen Tests, einem Quiz hier und da, Bestandsaufnahmen und Vorsatz-Ideen zwischen den Monatsübersichten und Wochenplänen macht einen ansprechenden und lockeren Eindruck und gibt viel Raum für persönliche Anmerkungen. Dabei merkt man schnell: So leicht und spaßig die vielen Umfragen wirken - sie bringen dich viel effektiver zum Nach- und Umdenken als so manche wissenschaftliche Abhandlung. (ab 12)

Aufstehen, Losgehen, Welt retten. Loewe Verlag 2020, 12.95 €

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