JUNGE ERWACHSENE
MIT DER FAUST IN DIE WELT SCHLAGEN
Lukas Rietzschel

Abgehängt, vernachlässigt, vergessen. Trostlos, hoffnungslos, zukunftslos. Rietzschel schreibt von dort und für dort, wo es wehtut, sagt er. Aus der ostdeutschen Provinz, einem Dorf in der Nähe von Hoyerswerder. Die beiden Brüder Philipp und Tobias, die dort aufwachsen, erfahren nichts Positives, ihre Eltern sind geblieben nach der Wende, obwohl alles irgendwie kaputt geht, verlassen wird, aufgegeben. Sie bleiben, der Vater schult um, es gibt trotzdem keine Arbeit. Die Läden schließen, später auch die Grundschule. Die Eltern bauen ein Haus, doch es gibt dennoch keine Aufbaustimmung, keinen Optimismus. Wieso nicht? Tobias und Philipp werden mit Langeweile und Trostlosigkeit getränkt, wachsen in einer Atmosphäre ohne Gespräche, ohne Erklärungen, ohne jemals offen gezeigte Liebe auf. Wieso? Der Vater geht irgendwann, er zieht mit der Nachbarin zusammen, warum, haben Tobias und Philipp nie verstanden. Keiner redet, weder über private Erfahrungen und Erlebnisse, noch über politische, was los ist in der Gesellschaft, wieso man sich so vergessen fühlt, was man eigentlich erwartet. Von der Politik, vom Leben. Philipp sucht Anschluss, Gewissheiten, Sicherheit, Stärke, Anerkennung, Bestätigung – all das, was ihm fehlt – bei einer nach außen überzeugend wirkenden Gruppe älterer Jugendlicher, die zusammenhalten, sich irgendwie wehren gegen dieses sinnlose Leben, die stark wirken. Sie wollen ihn nicht, nehmen ihn nicht ernst, er ist zu passiv, ein Mitläufer. Anders als Tobias. Der macht nicht mit, um Anerkennung oder Geborgenheit zu finden. Die braucht er nicht mehr, der Platz dafür in seinem Herzen ist besetzt mit Wut, Überdruss, Hass. Er will keine Geborgenheit in einer Gesellschaft, die er verachtet, er will nur noch zuschlagen. Die Ausländer, die vielen Flüchtlinge sind dafür willkommene Opfer und Sündenböcke. Wenn man selbst das Gefühl hat, einem wird nichts gelassen, kann man nicht teilen. Dann zerstört man lieber.

Die Stimmung in dem Roman muss man aushalten können, so trostlos und bitter. Dann kann man Manches nachvollziehen, die Atmosphäre, die Haltungen, die Handlungen. Nachvollziehen – aber nicht wirklich verstehen. Das Ende ist dann konsequent. Aber die Frage bleibt und wird immer dieselbe bleiben: Warum muss man nach unten treten, wenn man selber am Boden ist? Gibt es nichts anderes, was man machen kann?

KEINE FORM, IN DIE ICH PASSE
Erna Sassen

Tess lebt in einem Ausnahmezustand, geht nicht zur Schule, zermürbt sich tage- und nächtelang in endlosen Gedankenmarathons, hinterfragt alles, vor allem sich, traut sich nicht(s). In diesem Zustand trifft sie auf Evelien, eine Frau, die gerade ihre älteste Tochter (in Tess‘ Alter) verloren hat. Die beiden erkennen viel vom eigenen Schmerz in ihrem Gegenüber, trösten sich, streiten sich, halten sich. In einer Art langem inneren Monolog erfährt die Leser*in, was Tess erlebt hat und kann sich dank der hervorragenden Erzählkunst von Erna Sassen gut in die komplizierte Persönlichkeit von Tess einfühlen.

EWIG DEIN - DEATHLINE
Janet Clark

In dem Roman „Ewig Dein - Deathline“ von Janet Clark, geht es um die sechzehnjährige Josie, die mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder auf einer Pferderanch lebt. Ihre Mutter ist einige Jahre vorher bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Ranch liegt  nahe der Kleinstadt Angels Keep, welche sich in der Nähe des Reservates der sogenannten Greenies, Indianer, befindet.

Josie wünscht sich seit Jahren nichts anderes als ihre Bestimmung zu finden und sich endlich einmal zu verlieben. Doch als sie sich Hals über Kopf in den Greenie Ray verliebt, gerät Josie gleichzeitig in große Gefahr, denn er hütet ein großes Geheimnis und die sonst so ruhige Ranch und Angels Keep werden Schauplatz mysteriöser Zwischenfälle, die sich keiner erklären kann.

 

Besonders interessant an dem Buch ist meiner Meinung nach die Zusammensetzung der Geschichte. Es beginnt wie eine Liebesroman, doch relativ bald nachdem sich Josie und Ray sich das erste Mal begegnet sind, entwickelt sich die Geschichte in eine ganz andere Richtung weiter und es lassen sich Teile eines Fantasyromans und die eines Krimis in der Geschichte wiederfinden. Dieser unerwartete Umschwung macht die Handlung meiner Meinung nach noch spannender und einfach einzigartig.

Der Schreibstil von Janet Clark ist sehr schön und flüssig zu lesen. Sie hat es geschafft die witzigen und humorvollen Stellen genauso überzeugend dar zu stellen, wie die emotionalen und tiefergehenden Gespräche der Figuren oder die Monologe der Protagonistin.

Desweitern ist aber auch das Ende des Buches sehr interessant. Es ist zwar nicht unbedingt ein „Happy End“, aber ich fand es weitaus schöner als ich es im Verlauf des Buches erwartet habe, was mich persönlich positiv überrascht hat!

 

Insgesamt kann ich „Ewig Dein“ nur weiterempfehlen. Die Geschichte von Josie und Ray ist einfach mitreißend und ich freue mich schon auf den zweiten Teil!

 

(Victoria Rackwitz, 16 Jahre)

DAS REICH DER SIEBEN HÖFE
Sarah J. Maas

Der Fantasyroman „Das Reich Der Sieben Höfe“ von Sarah J. Maas, handelt von der neunzehnjährigen Feyre, die mit ihrem verkrüppelten Vater und ihren zwei älteren Schwestern in einer heruntergekommenen Hütte am Waldrand lebt. Dieser Wald grenzt an die Mauer, die das Reich der Fae, Prythian, von dem Land der Sterblichen trennt. Diese Grenze besteht seit dem blutigen Krieg vor über fünf Jahrhunderten in dem sich Menschen und Fae unerbittlich bekriegten. Seitdem fürchten sich die Menschen vor den magischen Wesen mit denen sie vorher verbrüdert waren. Auch Feyre ist mit den Warnungen und grausamen Geschichten aufgewachsen, die man sich über die Fae erzählt und schürt wie alle Menschen einen großen Hass gegen diese Wesen. Da Feyres Vater die Familie nicht ernähren kann, muss sie diese Aufgabe übernehmen und geht jeden Tag auf die Jagd. Als sie eines Tages im Winter auf einen übernatürlich großen Wolf trifft, erlegt sie ihn, um sein Fell auf dem Markt verkaufen zu können. Doch was sie nicht ahnt ist, dass dieses Ereignis ihr gesamtes Leben grundlegend verändern wird. Sie wird in das Reich der Fae entführt in dem nichts so ist wie die Menschen es sich erzählen und beginnt für ihre Liebe und ihre ganze Welt zu kämpfen.

 

Durch Sarah J. Maas Schreibstil und ihre Art zu beschreiben habe ich meine Umgebung beim Lesen vollkommen vergessen und hatte die Möglichkeit voll und ganz in die Welt der Fae ein zu tauchen, die durch die genauso faszinierenden wie auch teilweise gruseligen Kreaturen sehr lebendig wirkt. Außerdem konnte ich mich sehr gut in Feyre hineinversetzen, die natürlich Probleme hat sich beim High Lord des Frühlingshofes einzuleben. Außerdem überfallen sie immer wieder Selbstzweifel und Zweifel an seiner Ehrlichkeit ihr gegenüber. Besonders gelungen finde ich jedoch auch die Entwicklung die sie macht, genauso wie die Entwicklung der Beziehung von ihr zu den anderen Fae. Obwohl der eigentliche Konflikt der Geschichte ein wenig auf sich warten lässt, ist das Buch alles andere als langweilig oder langatmig. Desweiteren gibt es Stellen im Buch, die ein bisschen an bekannte Märchen erinnern, was ich persönlich sehr schön finde.  

 

Alles in allem muss ich sagen, dass dieses Buch zu einem meiner neuen Lieblingsbücher geworden ist. Für jemanden der gerne Fantasyromane liest ist das hier, meiner Meinung nach, ein absolutes Muss!

(Victoria Rackwitz, 16 Jahre)

AUERHAUS
Bov Bjerg

Eine WG im letzten Schuljahr vor dem Abitur – das klingt cool und nach Freiheit, Abenteuer und Selbstbestimmung. Ist es auch. Aber es ist auch noch mehr, denn der Erzähler – der sich selbst Höppner Hühnerknecht nennt - , Vera und Cäcilia, später auch Pauline, leben mit Frieder in einer WG, damit dieser nicht in der Psychiatrie bleiben muss. Frieder hat einen Selbstmordversuch begangen und die “Therapie” gegen seine Depressionen ist diese WG. Das gibt dem WG-Leben, das ein bisschen wild, chaotisch und anarchistisch ist, wie es sich für eine WG in den siebziger Jahren gehört, eine gewisse Schwere. Es geht um mehr als ein lustiges Jahr ohne Eltern, mit Freiheit, Alkohol, leichten Drogen und mittelleichter Kriminalität. Es geht vielleicht darum, einen Sinn in diesem Leben zu finden jenseits von "birth, school, work, death”. Es geht darum, Frieder – und nicht nur ihm – zu beweisen, dass es sich lohnt, am Leben zu bleiben. Diese wilde, verrückte, manchmal komische, manchmal verzweifelte Sinnsuche erzählt Höppner aus der Rückschau, vom Ende her, das der Leser lange nicht kennt.

SOMMER UNTER SCHWARZEN FLÜGELN

Calvin ist 17 und lebt in einem eigentlich schönen Ort an der Ostsee, doch in der armen Ecke, den hässlichen Neubauten, wo die Vergessenen und Verlorenen wohnen, die ohne Zukunft. Seine Familie lebt von Harzt IV, die Mutter zermürbt von erfolgloser Arbeitssuche und enttäuschten Hoffnungen. Calvins Vater ist weg, sein Stiefvater, Vater seiner beiden kleinen Brüder, vegetiert resigniert vor sich hin. Das Leben scheint unerreichbar, alles atmet Enttäuschung, Verzweiflung, Armut und Verbitterung. Die Bande um Calvins Kindergartenfreund

Pascal lebt diese Bitterkeit aus und pöbelt sich den Hass und die Ohnmacht raus. Sie sind rechtsnational und planen ein neues Deutschland, Calvin soll ihr Anführer werden, da Pascal einen Job hat. Die Flüchtlinge, die in einen der Neubaublöcke einziehen, sind ein willkommener Sündenbock, denn keiner versteht hier, wieso die plötzlich Waschmaschinen erhalten und frisch gestrichene Müllcontainer. Sie werden schikaniert und verschüchtert, sollen möglichst schnell wieder verschwinden. Doch dann lernt Calvin eine von ihnen kennen, Nuri aus Syrien, und Nuri beginnt, ausgerechnet Calvin ihre Geschichte zu erzählen. Calvin ist wie hypnotisiert und beide voneinander fasziniert. Natürlich kann das nicht gut gehen...

 

Seit Wochen und Monaten beherrscht das Thema Flüchtlinge die Medien und man liest und hört alles: Berichte, Reportagen, Kommentare, mal sachlich, mal emotional, mal polemisch. Doch kein einziger Text und kein einziges Bild hat es bisher geschafft, ein solches Maß an Verständnis und Empathie auszulösen wie dieser Roman – und zwar für beide Seiten: Ein Hoch auf die Literatur! 

DIE QUERSUMME VON LIEBE

Es beginnt damit, dass Luzie eine Todesanzeige im Altpapier findet. Von ihrer Oma, die Beerdigung ist am Wochenende. Aber Luzies Oma ist seit 10 Jahren tot, genau wie ihr Vater, der vor 11 Jahren bei einer Bergtour abgestürzt ist. Luzie lebt seitdem mit ihrer Mutter, deren wechselnden Freunden und seit Kurzem ihrem kleinen Bruder Aaron zusammen in der Stadt. Was soll das also sein, ein schlechter Scherz? Das möchte Luzie überprüfen, bevor sie mit ihrer Mutter spricht, und so fährt sie heimlich zu der Beerdigung. Und dort entdeckt sie auf dem Familiengrab der Oma – sie ist es wirklich – den Namen ihres Vaters. Dessen Asche sie doch mit ihrer Mutter zusammen ins Meer gestreut hatte. Was ist hier Lüge, was Wahrheit, was echte Erinnerung, was Erzählungen? Je mehr Luzie herausfindet, desto mehr hat sie das Gefühl, unterzugehen…und da ist keiner, der sie hält, dem sie vertrauen kann, Denn sogar der Junge, Puma, den sie gerade kennengelernt hat, scheint ihr nicht die Wahrheit zu sagen. Heftige Geschichte, sehr beeindruckend!

KLEINER WAHN

Rose ist einziges Kind und beste Freundin ihrer Mutter, die hohe Erwartungen an sie hat und ihr eine gute Zukunft wünscht, der Vater ist abwesend. Michaels Vater setzt noch höhere Erwartungen in seine beiden Söhne und führt sie mit harter Hand und kalter Strenge ins Leben. Rose und Michael verlieben sich, ganz zart und schön, und sie haben Sex miteinander. Und Rose wird schwanger. „Was ist mit deinem Leben, wenn du einen Fehler machst?“, will Michael irgendwann seinem Vater ins Gesicht schreien. Aber es gibt gar keinen Fehler, es gibt nur Schweigen, denn Rose hat beschlossen, was nicht sein darf, ist auch nicht. Und so herrscht Schweigen und aus Schweigen wird ein kleiner Wahn…

IM FREIEN FALL ODER WIE ICH MICH IN EINE PAPPFIGUR VERLIEBTE

Da Julie kein Zimmer in ihrem neuen Studienort findet, darf sie übergangsweise bei einer alten Freundin ihrer Mutter wohnen. Dort trifft sie auf Matt, ein echter Nerd, und Celeste, die 13-jährige Tochter, die immer eine lebensgroße Pappfigur mit sich herumschleppt. Die stellt ihren großen Bruder Finn da, der auf Weltreise ist und allen offensichtlich sehr fehlt. Julie beginnt, auf facebook mit Finn zu schreiben, dann zu flirten – und dann weiß sie nicht weiter. Was stimmt eigentlich mit dieser Familie nicht? Und wieso kommt dieser Finn nicht endlich mal wieder nach Hause? Sehr amüsante und schöne (Liebes-) Geschichte!

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