AB 12
DIE BESTE BAHN MEINES LEBENS
Anne Becker

Nach dem Umzug läuft für Jan erstmal alles ganz gut an, sollte man meinen: Die Tochter der neuen Nachbarn Flo ist irritierend-faszinierend und in seiner Klasse. Fabi wird direkt ein guter Freund und ist mit ihm im Schwimmverein. Wäre da nicht Linus, der Flo ärgert (aber was mit ihr hatte?) – und ziemlich bald auch Jan nicht in Ruhe lässt. Zwischen dem totalen Crush für Flo, Linus‘ Fiesheiten und seiner LRS sitzt Jan bald ganz schön in der Klemme...

Selten ist ein Buch über ein Thema so eindringlich und sensibel geschrieben worden, ohne dass dieses Thema je dick in den Vordergrund rückt, im Gegenteil: Dies ist eine wunderbare Geschichte über Stärken und Schwächen, über einen Jungen, der anfängt, zu sich selbst zu stehen, der vielleicht ein bisschen erwachsen wird, es ist ein Buch über das erste Verliebtsein und, ja, auch über einen Jungen mit LRS. Und obwohl ihn das prägt, obwohl er darunter leidet, obwohl es sein Leben bestimmt, wird die Geschichte nie zu einer „Problemgeschichte“. Ganz große klasse!

Anne Becker: Die beste Bahn meines Lebens. Beltz Verlag 2019, 12.95 €

IMMER KOMMT MIR DAS LEBEN DAZWISCHEN
Kathrin Schrocke

Nach der siebten Klasse die Schule beenden und Youtube-Star werden – das kommt bei Karls Eltern, die beide Wissenschaftler sind, nicht gut an. Auch wenn es der vor einem Jahr verstorbene Opa Karl im Traum empfiehlt. Trotzdem findet Karl die Idee grundsätzlich gut – nur leider kommt er nicht dazu, sie umzusetzen. Erst gibt es Ärger, als seine Oma eröffnet, dass sie in ein Mehrgenerationenhaus ziehen möchte, dann interessiert sich Karls Mutter plötzlich sehr für ihren neuen Chef, und dann erscheint sein Opa doch tatsächlich noch einmal in Karls Träumen und bittet ihn um etwas anderes – was Karl in echte Schwierigkeiten bringt...

Kathrin Schrocke: Immer kommt mir das Leben dazwischen. Mixtvision Verlag 2019, 14.- €

DAVOR UND DANACH
Nicky Singer

Eigentlich will Mhairi ihn nicht bei sich haben, den kleinen Jungen, der plötzlich vor ihr steht, er erinnert sie zu sehr an Mohammed, mit dem sie ihre Flucht begann. Außerdem ist es viel zu gefährlich, ein Kind dabei zu haben, noch dazu ein Unerlaubtes. Doch die Person, mit der das Kind unterwegs war – der Vater? Großvater? – stirbt vor ihren Augen und der Junge hängt sich an Mhairi. Und sie nimmt sich schließlich seiner an, nimmt ihn mit auf ihrem Weg in den Norden, den einzigen Ort auf der Welt, an dem man noch leben kann, der Wasser hat und nicht nur noch Hitze und Staub. Sie nimmt ihn mit auf ihrem Weg zurück zu ihrer Heimatinsel, zu ihrer Großmutter. Sie sind nun also zu zweit unterwegs und es braucht viel Kraft, gute Strategien und einige Fluchtpläne, um den Auffanglagern und Grenzsoldaten zu entgehen. Doch sie schaffen es, gemeinsam, sie kommen wirklich nach Hause, sie erreichen die Insel und die Großmutter empfängt sie. Doch es ist nicht das Ende ihres Weges, denn der Junge ist ein Unerlaubter, für ihn kann die Insel kein Zuhause sein. Und Mhairi erkennt: Überleben ist nicht das Einzige, was zählt. Es kommt drauf an, wie du am Leben bleibst. Was du tust und was du nicht tust, um am Leben zu bleiben. Und so trifft sie eine Entscheidung…

Angesichts eines dystopischen Zukunftsszenarios (das immer realistischer wird) werden die großen Fragen des Lebens gestellt: Wer bin ich und wie will ich, wie kann ich leben in einer Welt voller Leid und Ungerechtigkeit, ohne Schuld auf mich zu laden, ohne mich zu verlieren. Spannend und voller Pathos im besten Sinne!

Nicky Singer: Davor und Danach. Dressler 2019, 19.- €

ÜBER DIE BERGE UND ÜBER DAS MEER
Dirk Reinhardt

Als Junge hat Samir jeden Sommer mit Tarek verbracht, wenn dieser als Kuchi mit seinem Stamm in das Sommerquartier gewandert ist. Doch nun darf Samir kein Junge mehr sein. Als siebte Tochter musste sie die Ehre der Familie retten und durfte als Junge erzogen werden, mit allen Freiheiten. Nun ist sie fast fünfzehn und es ist höchste Zeit, dass sie Samir vergisst und als Soraya weiterlebt. Die Taliban, die nachts das kleine afghanische Dorf tyrannisieren, haben schon gedrängt. Doch Soraya kann nicht in den engen Grenzen eines Mädchens leben, und die Drohungen der Taliban verheißen Schlimmeres. So beschließt die Familie, dass Soraya geht, sich auf die Reise macht und ihr Glück in Europa sucht. Und ausgerechnet in diesem Frühling kommt Tarek nicht und Soraya kann ihm ihr Geheimnis nie mehr erzählen und sich nicht verabschieden. Was sie nicht weiß: Tarek kommt nicht in das Sommerlager, weil auch er ausgewählt wurde, die Familie zu verlassen und nach Europa zu gehen, um dort sein Glück zu suchen...

Bevor der Roman zu einer sehr aufregenden doppelten Fluchtgeschichte wird, beschreibt Reinhardt die Welt der Kuchi und das Leben in einem kleinen paschtunischen Bergdorf unglaublich lebendig und eindringlich. Dafür nimmt man gerne ein bisschen Märchen im zweiten Teil  in Kauf.

Dirk Reinhardt: Über die Berge und über das Meer. Gestenberg 2019, 14.95 €

DER SONNE NACH
Gabriele Clima

Dario hat in seiner Wut die Tür des Direktors zerstört und muss dafür Sozialarbeit leisten: Er soll sich um Andy kümmern, in Darios Worten ein „Halbidiot im Rollstuhl“. Aber was soll’s, es ist Dario egal, er will nur in Ruhe gelassen werden. Seit sein Vater ihn und seine Mutter verlassen hat vor neun Jahren, kommt Dario nicht klar, er ist voller Wut und abgrundtiefer Enttäuschung. Und nun hat er also Andy an der Backe - mit dem er aber erstaunlich gut zurechtkommt. Und dann überkommt ihn wieder die Wut, auch auf Andys dämliche Betreuerin, und plötzlich schnappt er sich Andy und haut ab, einfach weg, in die Freiheit. Erst als die beiden schon unterwegs sind, weiß Dario irgendwann, wohin er will: Seinen Vater finden.

Gabriele Clima: Der Sonne nach. Hanser 2019, 14.- €

DIE DICKE PRINZESSIN PETRONIA
Katharina Greve

Den kleinen Prinzen, ihren Cousin, hält sie für einen kitschigen  kleinen Schleimer, ihr Lieblingstier ist das Versuchskaninchen und ihr Hobbys sind Rechnen, Forschen, Herrschen. Nur leider hat ihre Mutter, die Königin des Universums, sie „outgesourced“, der Palast sei zu eng, der Weltraum dagegen unendlich. Und so sitzt sie jetzt auf ihrem eigenen kleinen Planeten, dem langweiligsten Klumpen im Universum, gelangweilt und übelst schlecht gelaunt. Irgendwann schenken ihre Eltern ihr einen Multifunktionswurm, der fortan ihr einziger Begleiter in allen Lebenslagen sein wird.

Wunderbar böse und witzig sind die kurzen Comicstrips über die missmutige Prinzessin und ihren devoten Wurm.

MEIN WEG AUS UNSICHTBARER TINTE
Kat Yeh

Irgendwie ist während der Sommerferien alles anders geworden. Während Bea über Wochen in Taiwan war, hat sich ihre beste Freundin – nachdem sich ihre zweitbesten Freundinnen schon vorher abgesetzt hatten – verändert und ist plötzlich und eindeutig nicht mehr Beas Lieblings- und Seelen-Person. Kein Wort haben die beiden seit Schulanfang miteinander gesprochen. Bea fühlt sich unsichtbar, und das nicht nur in der Schule. Auch zuhause sind ihre Eltern so mit sich selbst und ihrer Kunst beschäftigt, dass Bea oft ganz allein ist. Zum Glück hat sie ihre Gedichte, die sie jetzt mit unsichtbarer Tinte schreibt und an einem geheimen Ort versteckt. Doch was nützen Botschaften, die nicht ankommen? Und was hilft warten, wenn nie jemand kommt? Als Bea jedoch in den Mittagspausen aus der Cafeteria in das Büro der Bibliothekarin flieht, trifft sie dort Will. Und bald merkt sie, dass sich etwas ändert. In ihr, in ihrem Leben, auf ihrem Weg. Der allerdings erstmal einem ziemlich komplizierten Irrgarten gleicht… Wunderbare Geschichte voller Weisheit und Wahrheit über ein Mädchen, das sich selbst sucht und findet.

LIZZY CARBON
Mario Fesler

Die drei Bände von „Lizzy Carbon“ gehören zu den schönsten Buchreihen der letzten Jahre – und das nicht nur wegen der an Collegeblöcke erinnernden Cover und der Schriftgestaltung im Inneren, sondern vor allem, weil sie supergut geschrieben sind und ihr Autor, Mario Fesler, daher absolut zurecht mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.

Ich-Erzählerin Lizzy berichtet von den Höhen und Tiefen ihres chaotischen Alltags, von ihrer Familie, Freunden – vor allem von ihrer verpeilten besten Freundin Krissy, dem superschlauen Computer-Nerd Carsten und Dominik, ihrer ersten Liebe – und Feinden (ihr Bruder Max, Klassenlehrer Wenz,  Alexa und Antonia, die „Stars“ ihrer Klasse), wobei die erzählenden Passagen immer wieder abwechseln mit Tagebucheinträgen, die das Erlebte kommentieren. Und das auf echte Lizzy-Weise: schräg, frech, manchmal selbstgerecht und nicht durchdacht, aber immer schonungslos witzig, definitiv glaubwürdig, und jede Pointe sicher ins Schwarze treffend.

Im ersten und dritten Band sind es eher Schulthemen, die Lizzy bewegen: Im ersten Band ist es ein Schulfest, das Lizzy mit dem „Klub der Verlierer“, anderen Außenseitern wie sie selbst, gehörig aufmischt. Im dritten geht es um die Schulsprecherwahl, in die Lizzy zunächst gegen ihren Willen hineingezogen wird und in deren Verlauf sie nebenbei mal die Demokratie im Zeitalter der Social Media erklärt. Im zweiten Band steht Lizzys Familie und ihr direktes Umfeld im Mittelpunkt: Während es zwischen ihren Eltern mehr als nur kriselt, Bruder Max sein Coming-out hat und Krissy sich in die unmöglichsten Typen verguckt, ist Lizzy zum ersten Mal verliebt.

 

Das Tolle an allen drei Bänden ist, dass hier nie Schwarz-Weiß gemalt wird, Freundschaft UND Verrat vorkommen, Lizzy durchaus auch unsympathische Züge zeigt und alle Charaktere über die drei Bände hinweg eine Entwicklung nehmen, die nicht nur Spaß und Spannung, sondern auch so manche Überraschung verheißt. (Ute Bakus)

DAS LEBEN MEINES BESTEN FREUNDES
Judith Gridl

Judith Gridl versucht sich mit „Das Leben meines besten Freundes“ an Erich Kästner zu messen, aber hat weder erzählerisch noch sprachlich das Vermögen, auch nur annähernd an Kästner heranzukommen. Dabei erinnert die Grundidee, eine Freundschaft zwischen zwei Jungen aus komplett gegensätzlichen sozialen Milieus, vielleicht noch entfernt an „Pünktchen und Anton“: Auf der einen Seite Jacob aus reichem, aber dysfunktionalen Zehlendorfer Elternhaus, und auf der anderen Seite Samir, Sohn armer muslimischer Einwanderer aus einem ebenso perspektivlosen wie kriminellen Umfeld im Wedding, die sich – das „doppelte Lottchen“ lässt grüßen – so zum Verwechseln ähnlich sehen, dass sie im Laufe der Geschichte ihre Leben tauschen. Ja, richtig, nicht nur ein Kästner-Roman muss als Motivvorlage herhalten, sondern gleich mehrere („Das fliegende Klassenzimmer“ wird auch noch in die Geschichte reingepresst), sowie Gridl generell alles und auf jeden Fall viel zu viel erzählen will: Die Milieustudie, die Freundschaftsgeschichte, eine Coming-of-Age-Geschichte mit erster Liebe, eine Internatsgeschichte und schließlich auch noch ein Krimi mit Anleihen aus der realen Welt in Berlin ansässiger libanesischer Clans. Nur gelingt es ihr an keiner Stelle, diese Versatzstücke erzählerisch glaubhaft zu verbinden. Alles wirkt hölzern und überkonstruiert. Das ärgert mit zunehmender Lektüre immer mehr, und auch der Showdown am Ende kann das Ruder nicht mehr herumreißen, denn der ist vor allem eins: tränenreich und voller Klischees. (Ute Bakus)

DER GROßE SCHWARZE VOGEL
Stefanie Höfler

Ben, 14 Jahre alt, berichtet von der ersten Woche nach dem Tod seiner Mutter. Zwischen den Kapiteln sind Einschübe gesetzt, die erst „davor“, bald aber schon „danach“ heißen. Es sind erst Erinnerungen an die Mutter, und sie sind alle rührend und schön, zeigen eine sehr lebendige, wilde, eigensinnige, tolle Frau. Die Einschübe mit dem Titel „danach“ zeigen wiederum, dass das Leben weitergegangen ist, für Ben, der Lina kennengelernt hat, für seinen kleinen Bruder Karl und für den Vater. Das war in den ersten Stunden und Tagen nach dem Tod nicht abzusehen: Ben ist erstarrt, Karl verwirrt und der Vater völlig verzweifelt und lethargisch.

Das Buch wagt sich an ein schweres Thema. Es hat zwei Jungen als Hauptfiguren, davon erzählt der 14-Jährige, was ein kompliziertes Alter ist. Mutig. Stefanie Höfler kann wunderbar erzählen, das konnte man in der Tiefseequalle, aber vor allem in dem Sommer mit Mucks sehen. Dennoch: Ich hatte das Gefühl, sie hat sich nicht wirklich richtig auf das Thema eingelassen, ist nicht bis zum tiefsten Abgrund, zur allerletzten Verzweiflung gegangen. Und ist vielleicht auch der Versuchung erlegen, die Mutter zu idealisieren, denn auch wenn Ben einige Male andeutet, seine Mutter hatte zwei Gesichter und war manchmal unerträglich: Solche Erinnerungen werden fast gar nicht erzählt. Ob das mit der eigenen, unausweichlichen Befangenheit zusammenhängt, wenn man als Mutter über dieses Thema schreibt? So bleibt das Buch zwar ein wunderschönes, liebes, tröstliches Buch zu einem wichtigen Thema, doch es gräbt sich nicht ins Gedächtnis, es wühlt nicht auf, es ist keine Axt in unserem Leben.

DIE WAHRHEIT ÜBER DINGE,
DIE EINFACH PASSIEREN
Ali Benjamin

Wenn ich je so zickig und blöd werde wie die Mädchen aus unserer Klasse, gib mir ein Zeichen! Darum hatte Franny ihre besten Freundin Suzy gebeten, damals, als noch alles schön war zwischen Ihnen. Jetzt ist es soweit - doch Suzy weiß beim besten Willen nicht, wie und mit welchem Zeichen sie Franny noch erreichen kann. Und wählt das komplett falsche. Und dann ist es zu spät: Im Urlaub ertrinkt Franny. Und Su hat keine Chance mehr, ihr saublödes Zeichen wieder gutzumachen. Wie kann das sein? Mit der Erklärung ihrer Mutter, manche Dinge passieren einfach, gibt Su sich nicht zufrieden, und bald hat sie eine Hypothese, was Franny, der superguten Schwimmerin, zugestoßen sein muss. Jetzt gilt es, Beweise zu finden...

EINE INSEL ZWISCHEN HIMMEL UND MEER
Lauren Wolk

In einem sanften, fast altmodisch-klassischem Erzählstrom wird die ungewöhnliche Geschichte von Crow erzählt, die als ein paar Stunden altes Baby am Strand einer Insel angespült wird. Dort findet Osh sie, ebenfalls ein Gestrandeter, der aus seinem Land geflohen ist und sich auf dieser einsamen Insel ein Heim geschaffen hat. Er nimmt Crow auf, gibt ihr ihren Namen, und mit Hilfe von Miss Maggie zieht er sie auf. Miss Maggie, eine ebenfalls alleine auf der Insel lebende zupackende junge Frau, schreibt an alle umliegenden Inseln und Orte, von denen Crow kommen könnte – wir sind im zweiten Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts –, erhält jedoch nur verneinende oder gar keine Antworten. So bleibt Crow und ist glücklich. Bis ungefähr zu ihrem zwölften Lebensjahr, in dem der Wunsch in ihr erwacht, mehr über ihre Herkunft zu wissen. Denn warum halten sich alle Inselbewohner außer Osh und Miss Maggie von ihr fern, wenn sie doch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von der „Pestinsel“ Penikese stammt? Und was wenn doch? Crow beginnt zu forschen und zu grübeln, zu fragen und zu suchen – und gerät in eine unglaubliche, spannende, bewegende und gefährliche Geschichte…

WIE EIN HIMMEL VOLLER SEEHUNDE
Sara Lövestam

Anna und Louise machen beide Ferien auf einer kleinen schwedischen Insel in den Schären. Anna mit ihrem Vater, der frühpensioniert ist, zu viel trinkt und es nicht schafft, das Dach zu reparieren. Ihr Haus ist klein, alt und heruntergekommen, aber für sie ist es das Paradies. Louises Familie hat gerade ein luxuriöses Ferienhaus mit einem Garten wie ein Golfplatz gekauft und saust mit dem coolen Motorboot übers Meer. Auf dem Anna nachts mit ihrem kleinen Ruderboot Fischernetze auslegt. Sie können unterschiedlicher nicht sein – und ziehen sich doch an wie zwei Magneten. Eine wunderschöne zarte Liebe beginnt – aber hat sie eine Chance?

MEIN FREUND CHARLIE
Tanya Lieske 

Niks hat – nicht als erster Schüler – den Auftrag, seine Sommerferien-erlebnisse aufzuschreiben. Drei Hefte werden es, denn dieser Sommer hatte es wirklich in sich: Niks ist Lette und lebt mit seinem Vater in Riga, mehr oder weniger von der Hand in den Mund. Der Vater, Mahris, ist Restaurator und Alleskönner und ansonsten hauptsächlich Lebenskünstler. In Deutschland soll es viel Arbeit und noch mehr Geld geben, sagt er. Und so sitzen Mahris und Niks am Anfang der Sommerferien in einem Bus nach Deutschland. Dort finden sie eine kleine, eher schäbige Wohnung und Mahris macht sich auf Jobsuche. Niks merkt schnell, in welcher Gegend sie gelandet sind, Deutsch ist hier gar nicht mal die Hauptsprache. Doch dann lernt er Charlie kennen, ein Russe in seinem Alter, und damit auch Natascha, Yuri und Vladimir. Und kurz darauf – leider – auch die Klanke-Brüder. Und schon ist er mittendrin in einer echten Verbrechergeschichte. 

WIE EIN SPRINGENDER DELFIN
Mark Lowery

Martin haut mit seinem kleinen Bruder Charlie ab. Gemeinsam wollen sie es bis an die Küste schaffen, dorthin, wo sie im Sommer den Delfin gesehen haben. Charlie war begeistert, jeden Tag wollte er wieder zum Hafen, um den Delfin zu sehen. Und Martin möchte, dass es Charlie gut geht, denn Charlie ist ziemlich krank. Und Martin möchte auch, dass seine Eltern wieder glücklich sind, dass sein Vater nicht immer viel zu viel arbeitet, dass seine Mutter mal wieder aus dem Haus geht. Also muss diese Reise sein, auch wenn es schrecklich anstrengend ist, mit Charlie zu verreisen…

IKARUS FLIEGT
Sally Christie

Alex hält sich an der neuen Schule schwer zurück, versucht, nicht aufzufallen, um nicht ins Visier der großmauligen Idioten zu geraten. Und merkt bald, dass er dafür einen hohen Preis zahlt: Er hat keinen Freund, kennt eigentlich niemanden wirklich aus seiner Klasse, vertraut keinem. Von seinem Nachbarn David, genannt Bogsy, hält er sich besonders fern, denn der scheint keine Angst zu haben und benimmt sich geradezu provokant und lebensgefährlich. Doch dann erfährt Alex, dass Bogsy Ikarus ist, der Junge, der fliegen wird. Und das verändert alles.

EIN WEITER WEG
Dan Gemeinhart

Ende des 19. Jahrhunderts hat der zwölfjährige Joseph seine Mutter und Schwester an den Typhus verloren und seinen Vater bei einem dummen Unfall. Alles, was ihm bleibt, ist sein geliebtes Pferd Sarah, mit dem er so viele seiner guten Erinnerungen an seine Familie verbindet. Als ihm Sarah genommen wird, macht er sich auf die Suche nach ihr – und trotzt bei seiner abenteuerlichen Reise mithilfe seines chinesischen Freundes A-Kih nicht nur Grizzlys, einem reißenden Fluss und einem zwielichtigen Pferdehändler, sondern findet sogar noch ein neues Zuhause.

(Sabrina Miseriaud)

FRIEDRICH, DER GROßE DETEKTIV
Philip Kerr

Nicht umsonst erinnert das Cover an Erich Kästners Emil und die Detektive – Friedrich liebt das Buch und wäre selbst gern ein Detektiv. Doch Anfang der Dreißigerjahre in Berlin gibt es für ihn und seine Freunde noch ganz andere Probleme. Sein großer Bruder ist ein begeisterter Nazi und missbilligt Friedrichs Freundschaft mit Erich Kästner. Lehrer mobben Schüler, weil sie Juden sind, Nachbarn verschwinden und selbst der Polizei kann man nicht mehr trauen. In diesem Klima der Angst versuchen Friedrich und seine Freunde Albert und Viktoria zunächst noch, an ihrem gewohnten Leben festzuhalten, merken aber bald, dass die Zeit ihrer unbeschwerten Kindheit unwiderruflich vorbei ist.

Das Buch zeigt wunderbar unaufdringlich, wie sich das Leben unter den Nazis verändert hat, wieso viele Menschen zunächst nicht glauben konnten, dass sie in Gefahr waren, wie zerrissen viele Familien waren. Eine großartige Geschichtslektion, die eben nicht trocken daher kommt, sondern in feinen Pinselstrichen ein eindringliches Bild der Zeit der Machtübernahme durch die Nazis zeichnet. (Sabrina Miseriaud)

FEO UND DIE WÖLFE
Katherine Rundell

Feo lebt mit ihrer Mutter im Wald irgendwo in den tiefen Wäldern Russlands. Wenn reiche Leute in den Städten genug von ihren Luxus-Haustieren, den Wölfen, haben, werden diese zu Feo und ihrer Mutter zum Auswildern gebracht. Bis General Rakow von den beiden erfährt und seinen Hass auf sie projiziert. Denn sie sind beide frei, stolz und mutig – Charaktereigenschaften, die Rakow nicht brauchen kann. Er verschleppt Feos Mutter ins Gefängnis, und als Feo sich mit drei Wölfen und einem jungen Deserteur aufmacht, ihre Mutter zu suchen, verfolgt er sie gnadenlos. Doch Feo und ihre Wölfe haben auch Freunde, vor allem unter den Kindern.

Wer so richtig abtauchen möchte und dabei keine Fantasygeschichten braucht, hat hier einen Schatz gefunden: spannend, voller Pathos ohne Kitsch, eine Prise Humor und starke Persönlichkeiten. 

BRENNENDER DURST
Lizzie Wilcock

Kabanda, 14, sitzt mit dem 8-jährigen Solomon in einem Auto mitten in der Australischen Wüste. Der Fahrer soll die beiden zu neuen Pflegefamilien bringen. Doch dann rasen sie gegen einen Baum und der Fahrer stirbt sofort. Kabanda erkennt, dass dies für sie die Chance auf Freiheit ist, endlich weg von den Pflegefamilien, die sie immer wieder wegschicken. Doch da ist auch noch Solomon, und den kann sie nicht alleine lassen. Zusammen schlagen sich die beiden durch die Wüste und kämpfen gegen Hunger, Durst, Dürre und Überschwemmungen, ebenso wie die Dämonen ihrer Vergangenheit.

ALLES IST ECHT
Karen-Susan Fessel

Berlin, kurz vor den Sommerferien, die Zeugnisse sind fertig, die Zukunft ungewiss. Mascha hat sich gerade verliebt, es gab einen ersten Kuss, da wird Lion an einer Tankstelle brutal zusammengeschlagen und fällt ins Koma. Wie konnte das passieren? Wer ist der Schläger, welche Rolle spielt Blendi, der kurz zuvor von dem Schläger angemacht wurde? Aus Sicht von Mascha, Blendi, Muris, dem Täter, wird die Situation Stück für Stück zusammengefügt, die Hintergründe der drei Jugendlichen beleuchtet, und die Folgen, die die Sache für alle hat, beschrieben. Denn eins ist klar: Nichts ist mehr wie vorher. 

LAST EXIT
Mirjam Mous

Die 8c – schwierigste Klasse der Schule – geht auf Klassenfahrt in die Ardennen. Als alle im Bus sind, geht eine WhatsApp-Nachricht rum: „Legt die gelbe DVD ein“ Geschockt sehen die Schüler einen Film, in dem ihnen mitgeteilt wird, dass an Bord eine Bombe ist. Keiner darf raus oder rein und der Bus soll einen bestimmten Ort anfahren. Was tun? In Rückblenden wird die jüngste Vergangenheit einiger SchülerInnen und LehrerInnen (!) erzählt und es wird schnell klar: Verdächtige gäbe es genug. 

UND DU KOMMST AUCH DRIN VOR
Alina Bronsky

Kim liest eigentlich nicht, nie. Und hört bei Lesungen nicht zu. Doch diesmal – sie ist mit ihrer Klasse auf einer Lesung in der Stadtbibliothek – ist es plötzlich ganz anders. Die Autorin, die vorne liest, erzählt nichts anderes als Kims ganz persönliche Geschichte, und zwar haargenau, inklusive Kims Gedanken. Kim ist entsetzt, fasziniert, panisch. Sie kauft das Buch (ganz neue Erfahrung), und als sie sich endlich traut, weiterzulesen, wird die Sache erst richtig unheimlich. Denn der Junge, der sich laut des Romans in sie verliebt, stirbt tragisch – kann Kim das verhindern?

N° 9677 oder WIE MEIN VATER AN FÜNF KINDER VON SECHS FRAUEN KAM
Natasha Friend

Hollis findet den Kult, den ihre Mutter Leigh um ihre verstorbene Partnerin Pam – Hollis zweite Mutter – schrecklich, und hat kein Verständnis dafür, dass Leigh auch noch Pams Mailadresse benutzt. Doch dann schreibt Milo, ein Junge, dessen Mutter Pam vor Jahren mal kontaktiert hatte, um die Halbgeschwister Milo und Hollis zusammen zu bringen. Wie sich herausstellt,  waren die beiden nicht die einzigen Kinder, die der Samenspender 9677 produziert hat. Denn Milo hat Hollis kontaktiert, um Verwandtenforschung zu betreiben. Obwohl Hollis sich erst sträubt, wird sie dann doch mitgerissen, als sie drei weitere Halbgeschwister auftun, und genießt die „neue Familie“. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach ihrem Vater und lernen nichts weniger als „Der Weg ist das Ziel“.

DIE KÖNIGINNEN DER WÜRSTCHEN
Clémentine Beauvais

Einmal im Jahr gibt es die Onlinewahl zur „Wurst zur Jahres“: So werden die drei hässlichsten Mädchen der Schule gekürt. Mireille, die schon mehrfach zur „goldenen Wurst“ gewählt wurde, ist dieses Mal nur Bronze. Astrid hat den ersten Platz und kann damit überhaupt nicht umgehen, verständlicherweise. Sie sucht Mireille auf und lässt sich von deren Kaltblütigkeit beruhigen. Gemeinsam besuchen sie die dritte Wurst, Hakima, und irgendwie entsteht die Idee, etwas gemeinsam zu unternehmen, keine Schwäche zu zeigen. Es ist Sommer und die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag in Paris stehen bevor, und so planen die drei eine Fahrradtour nach Paris. Hakima hat einen großen Bruder, der seine Beine im Krieg verloren hat, und den Mireille heimlich anhimmelt. Kurzerhand wird er zum Aufpasser im Sportrollstuhl ernannt und eine sehr ungewöhnliche Reise beginnt…

Eine vollkommen verrückte Geschichte (oder auch hanebüchener Unsinn), flott, unkonventionell und witzig geschrieben. 

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