Buch der Woche*

Ein Buch, das den Vergleich nicht scheut, aber auch nicht hält - uns jedoch hinführt zu einem anderen, wie eine feine, gut gelegte Spur.

Drei Wehrmachtssoldaten – Bauer, Emmerich und der Ich-Erzähler – umgehen die Juden-Erschießungen, indem sie sich auf den Weg machen, um eventuell geflüchtete Juden draußen zu finden. Es ist Winter irgendwo im polnischen Land, eiskalt, die drei frieren und hungern. Und sie finden tatsächlich einen jungen Mann, den sie mitnehmen. Die Kälte und der Hunger lassen sie auf dem Rückweg in einem verlassenen Haus unterkriechen. Dort machen sie Feuer und bereiten ein warmes Essen vor, eine langwierige und nicht einfache Sache. Ein Pole mit Hund kommt dazu, als wäre es sein Haus. Und der Jude sitzt in einer kalten Abstellkammer und sagt kein Wort. Werden die drei das Essen mit den beiden teilen?

Eine kurze Novelle, ein besonderes Ereignis, das lebensverändernd sein könnte. Doch weder die Spannung, die in einer solchen Situation stecken kann, noch die unfassbare Grausamkeit der Hintergrundgeschichte oder die Verzweiflung der drei Soldaten kommt in der Erzählung richtig zum Tragen. Keine Frage: Der Autor kann schreiben, die Geschichte ist gut konstruiert, der Bogen steht, die Personen sind gekonnt ausgesucht. Doch es bleibt eine Fingerübung, eine theoretisch gelungene Erzählung, ohne dass der Leser tief berührt zurückbleibt. Vielleicht liegt es daran, dass der Name Emmerich zu sehr an den Soldaten Kemmerich aus Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues" erinnert, die Beschreibung seines Todes gleich zu Beginn des Romans lässt einen nie wieder los. Den Vergleich mit diesem herausragenden Roman scheint Mingarelli nicht zu scheuen, doch bleibt das Wintermahl dagegen blass.

Hubert Mingarelli: Ein Wintermahl. Ars vivendi Verlag 2020, 18.- €

Alle Bücher der Woche findet ihr hier.

*In Corona-Krisen-Zeiten können wir unsere beliebten Büchervorstellungen an den Schulen leider nicht durchführen.

In der Reihe "Buch der Woche" stellen wir daher jede Woche eine Neuerscheinung für Leserinnen ab 4 Jahren vor.  

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